
Wien entkorkt: Der ultimative Guide für Urban Vineyards, Heurige und Weinbars
Wien ist die einzige Weltmetropole, die innerhalb ihrer Stadtgrenzen nennenswerte Mengen Wein produziert. Vergessen Sie für einen Moment die kaiserlichen Paläste und Kaffeehäuser. Das wahre lokale Leben spielt sich in den 700 Hektar Wiener Weinbergen ab. Sie finden sie an den Kalksteinhängen des Nussberg und in den sandigen Kellergassen von Stammersdorf. Den Wiener Wein zu verstehen ist der einzige Weg, die Wiener Seele wirklich zu begreifen. Wir trinken nicht einfach nur; wir zelebrieren Rituale. Wir trotzen der Hitze in einem urigen Heuriger unter einem Rebendach. Im Herbst jagen wir dem trüben, gärenden Sturm hinterher. Im Winter verstecken wir uns in schummrigen Innenstadt-Bars, wo Sommeliers biodynamische Jahrgänge ausschenken. Dieser Guide lässt die Touristenfallen aus. Er ist Ihr Fahrplan, um historische Speisekarten zu entziffern, die besten Cuvées aufzuspüren und die neue Welle der Naturwein-Bistros zu navigieren.
Fotos
Die Geburtsstunde des urbanen Weins: Eine kurze Geschichte

Um Ihr Glas zu würdigen, müssen Sie Kaiser Joseph II. danken. Im Jahr 1784 verfügte er, dass Winzer ihre eigenen Speisen und Weine ohne spezielle Genehmigung direkt an die Öffentlichkeit verkaufen dürfen. Dies war die Geburtsstunde des Heuriger. Ein Wort, das sowohl die Schenke als auch den jungen Wein selbst beschreibt. Während andere Städte ihre Felder zubetonierten, hielt Wien seine Hügel grün. Heute bewirtschaften 600 Betriebe 700 Hektar innerhalb der Stadtgrenzen. Das ist kein Hobby. Sie produzieren jährlich 2,4 Millionen Liter. Etwa 85 % davon ist Weißwein. Bezirke wie Döbling bieten mineralische Weißweine aus Kalksteinböden. Über der Donau in Stammersdorf bringt die Schwarzerde rundere Profile und kräftige Rotweine wie den Zweigelt hervor. Sie können am St. Stephen’s Cathedral sein und in 20 Minuten mit der Straßenbahn einen bewirtschafteten Bauernhof erreichen. Achten Sie auf Traktoren, die sich die Straße mit Porsches teilen. Es ist ein Farm-to-Table-System, das seit zwei Jahrhunderten funktioniert. Funktional. Uralt. Tief lokal.
Wiener Gemischter Satz: Wien in einem Glas erschmecken

Der Wiener Gemischter Satz ist das flüssige Maskottchen der Stadt. Früher war er ein billiger Tischwein für durstige Wanderer. Dann, in den 1990er Jahren, erkannten Winzer wie Fritz Wieninger sein Potenzial. Heute besitzt er den geschützten DAC-Status und ein Slow-Food-Siegel. Er ist kein Standard-Verschnitt, sondern ein „Field Blend“. Winzer pflanzen verschiedene Rebsorten wie Grüner Veltliner, Riesling und Chardonnay nebeneinander im selben Weingarten an. Sie werden gleichzeitig geerntet und gepresst. Laut Gesetz müssen mindestens drei Sorten enthalten sein. Der größte Anteil darf 50 % nicht überschreiten, der drittgrößte muss mindestens 10 % betragen. Er fängt die exakte Stimmung einer einzelnen Parzelle ein. Erwarten Sie einen kupferfarbenen Glanz und Düfte von Rose und Pfirsich. Eine Top-Flasche kostet zwischen €15 und €35. Wenn Sie im Zentrum sind, schauen Sie in die Vinothek St. Stephan am Stephansplatz 6 rein. Es ist der älteste Weinladen der Stadt. Hier kennt man den Boden und die Trauben.
Das Heurigen-Erlebnis: Tradition in den Weinbergen

Ein Wochenende beim Heurigen ist Pflicht. Aber man muss den richtigen wählen. Halten Sie Ausschau nach dem „Buschen“ – einem Bündel Fichtenzweige, das über der Tür hängt. Das bedeutet, dass „ausg’steckt“ ist und bewirtet wird. Überspringen Sie Grinzing; es ist ein Magnet für Reisebusse. Ziehen Sie stattdessen höher nach Nussdorf oder Neustift am Walde. In Nussdorf sollten Sie zum Heuriger Sirbu gehen. Er liegt direkt an den Hängen des Kahlenberg mit einem 180-Grad-Blick über die Donau. Bestellen Sie eine „Brettljause“ (eine Aufschnitt- und Käseplatte) und etwas Liptauer-Aufstrich. Eine weitere Ikone ist der Fuhrgassl-Huber. Er hat einen riesigen, romantischen Garten und eine lebhafte, herzliche Atmosphäre. Eine Warnung: Bestellen Sie niemals ein Bier. Das ist eine Beleidigung für den Gastgeber. Wenn Sie etwas Leichtes wollen, nehmen Sie einen Weissen Spritzer. Das ist halb Wein, halb Soda und perfekt erfrischend.
Über der Donau: Der böhmische Charme von Stammersdorf

Überqueren Sie die Donau in den 21. Bezirk für das echte Erlebnis. Stammersdorf fühlt sich an wie ein ländliches Dorf, nicht wie eine Hauptstadt. Die Kellergasse ist ruhig und authentisch. Der Boden hier verträgt Rotweine wunderbar. Besuchen Sie das Weinhandwerk für eine Auszeit im Bohème-Stil. Es ist ein Buschenschank, was bedeutet, dass nur kalte Speisen serviert werden. Inhaber Martin Strobl bereitet unglaubliche Wildkräuter-Tapas aus gesammelten Zutaten zu. Es ist der beste Abschluss für eine Wanderung auf den Wegen des Bisamberg. Die Straße weiter runter liegt der Heuriger Wieninger. Dies ist das Flaggschiff des Mannes, der den Gemischten Satz gerettet hat. Probieren Sie seine Rotweincuvée „Wiener Trilogie“. Sie beweist, dass diese Stadt nicht nur Weißweine beherrscht. Nehmen Sie die Straßenbahnlinie 31 bis zur Endstation. Dort finden Sie echte „Gemütlichkeit“ ohne die Menschenmassen.
Innerstädtische Bistronomie: Die moderne Weinbarszene

Die Weinkultur macht nicht an der Stadtgrenze halt. Die inneren Bezirke sind derzeit besessen von „Bistronomy“. Diese Lokale kombinieren High-End-Küche mit riesigen Weinkarten. Das MAST Weinbistro im 9. Bezirk ist der Goldstandard. Geführt von den Top-Sommeliers Matthias Pitra und Steve Breitzke, liegt der Fokus auf naturbelassenen Low-Intervention-Weinen. Rechnen Sie mit €25 bis €120 für etwas Besonderes. Im 3. Bezirk ist das Heunisch & Erben eine Bibliothek für Genießer. Sie haben eine 68-seitige Karte und 100 offene Weine im Glas. Wenn Sie im 1. Bezirk festsitzen, suchen Sie die Vinothek W-Einkehr. Sie fühlt sich an wie ein Landgasthof, der in der Stadt versteckt ist. Der Besitzer, Bernard, ist spezialisiert auf seltene Rote aus Carnuntum. Diese Bars sind die schicken, modernen Cousins der rustikalen Tavernen am Hügel.
Perlen und Keller: Das Schlumberger-Erlebnis

Wien kann auch Schaumwein, oder „Sekt“, mit einer beachtlichen Geschichte. Schlumberger ist seit 1842 dabei. Die Kellerwelten im 19. Bezirk sind ein 300 Jahre altes Labyrinth. Für etwa €16 erhalten Sie eine selbstgeführte Tour durch diese kalten, dunklen Tunnel. Sie können sogar versuchen, Flaschen auf den Rüttelpulten „abzurütteln“. Im Ticket ist ein Glas Sekt am Ende enthalten. Jeden Cent wert. Wenn Sie Winzerchampagner suchen, gehen Sie zur Dosage Bar à Champagne am Fleischmarkt. Sie ist schick und versteckt. Inhaber Friso Schopper serviert Small-Batch-Labels, die man sonst nirgends findet. Gläser gibt es ab €13. Wenn Sie den Geheimcode für die Dachterrasse ergattern, ist das der Ort schlechthin. Kombinieren Sie Ihre Perlen mit Trüffelsalami und blicken Sie über die Domspitzen.
Herbstmagie: Der Kult um den Sturm und die Etikette

Besuchen Sie Wien im September oder Oktober, um den Sturm-Hype mitzuerleben. Das ist teilweise vergorener Traubensaft. Er ist trüb, süß und hat es in sich. Da er noch gärt, dürfen die Flaschen nicht fest verschlossen werden, sonst platzen sie. Man sieht Einheimische mit offenen Flaschen in der U-Bahn. Aber Vorsicht: Es gibt Regeln. Da Sturm noch kein „offizieller“ Wein ist, darf man nicht „Prost“ sagen. Stoßen Sie auch nicht an. Schauen Sie Ihren Freunden in die Augen und sagen Sie stattdessen „Mahlzeit“. Und benutzen Sie die linke Hand. Wenn Sie die rechte Hand benutzen oder das Falsche sagen, zahlen Sie die nächste Runde. Es ist eine strenge, amüsante Tradition. Und genau so feiern wir die Ernte.
Praktische Tipps
- 1Nehmen Sie die Straßenbahn, kein Taxi. Nutzen Sie die Linie 38 nach Grinzing, die Linie D nach Nussdorf oder die Linie 31 nach Stammersdorf. Eine Fahrt kostet €2.40.
- 2Achten Sie auf das „Ausg'steckt“-Schild und einen Buschen aus Fichtenzweigen, um sicherzugehen, dass ein Heuriger geöffnet hat.
- 3Bier beim Heurigen zu bestellen, ist ein Anfängerfehler. Es beleidigt den Winzer. Bleiben Sie beim Hauswein oder einem Weissen Spritzer.
- 4Traditionelle Heurige nutzen Selbstbedienungs-Buffets. Bestellen Sie Ihre Getränke am Tisch und holen Sie das Essen an der Theke.
- 5Herbst-Besucher: Trinken Sie Sturm mit der linken Hand, stoßen Sie nicht an und sagen Sie „Mahlzeit“. Wer die Regel bricht, zahlt die Runde.
- 6Planen Sie €5 bis €9 für ein Glas Wein im Stadtzentrum ein. Eine gute Flasche Naturwein startet meist ab €25.
- 7Die Schlumberger Kellerführung ist mit €16 (ca. $18 USD) ein echtes Schnäppchen. Sie dauert 50 Minuten und beinhaltet eine Verkostung.
- 8Kaufen Sie Souvenirs in der Vinothek St. Stephan. Sie existiert seit 1976 und hat die beste Auswahl an seltenen österreichischen Spirituosen.
Essen & Trinken

1516 Brewing Company
Vergessen Sie gestärkte Tischdecken und leise Violinen. Seit 1999 ist die 1516 Brewing Company das lebhafte Gegenmittel zur formellen Wiener Kaffeehauskultur. B

Siebensternbräu
Erwarten Sie im Siebensternbräu keine weißen Tischdecken oder gedämpftes Flüstern. Seit 1994 fungiert dieses Kraftzentrum in Neubau als inoffizielles Wohnzimmer

Restaurant Al Borgo
Das Al Borgo liegt in einer ruhigen Seitenstraße im 1. Bezirk, nur einen kurzen Spaziergang vom Trubel am Stephansdom und dem Stadtpark entfernt. Während Vienna
Häufig gestellte Fragen
Was genau ist ein Wiener Heuriger?
Welchen Wein muss man in Wien unbedingt probieren?
Wann ist die beste Reisezeit für Weinliebhaber in Wien?
Muss man in Wiener Weinbars und Heurigen Trinkgeld geben?
Ist Weintrinken in Wien teuer?
Was ist der Unterschied zwischen einem Heurigen und einem Buschenschank?
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