
Wiener Christkindlmärkte: Ein ausführlicher lokaler Guide
Wien im Winter ist wie ein zum Leben erwachtes Schneekugel-Märchen. Wenn sich ein kühler Hauch über die Danube legt, tauscht die österreichische Hauptstadt ihr herbstliches Gewand gegen Millionen funkelnder Lichter. Von Mitte November bis Dezember verwandeln sich prächtige Plätze und schmale Gassen in Weihnachtsmärkte. Der Duft von gerösteten Maroni, gebrannten Mandeln und gewürztem Glühwein weht durch die imperiale Architektur. Eine Tradition, die bis ins Jahr 1298 zurückreicht. Den Überblick über die Wiener Weihnachtsmärkte zu behalten, ist eine Kunst für sich. Es gibt nicht nur ein zentrales Zentrum, sondern über ein Dutzend Märkte, jeder mit eigenem Charakter und kulinarischen Highlights. Ob die filmreife Pracht am Rathausplatz oder der ökologische Vibe am Spittelberg – es gibt für jede Stimmung den passenden Markt. Dieser Guide führt Sie an den Touristenfallen vorbei zu den besten Plätzen, erklärt das Pfandsystem für Tassen und verrät, wo es die beste Käsespätzle und den besten Kaiserschmarrn gibt. Erleben Sie die Stadt wie ein echter Wiener.
Fotos
Die imperialen Giganten: Rathausplatz & Schönbrunn

Wenn man sich Wien zur Weihnachtszeit vorstellt, sieht man den Christkindlmarkt am Rathausplatz. Er ist das Schwergewicht der Stadt. Millionen Besucher kommen wegen der neogotischen Kulisse und des riesigen zentralen Baums. Im Jahr 2025 stammt diese 50 Jahre alte Fichte aus Tirol. Der Markt umfasst vom 14. November bis zum 26. Dezember über 100 Hütten. Das Shopping können Sie hier getrost überspringen – es ist oft zu kommerziell. Gehen Sie stattdessen wegen des Spektakels hin. Der umliegende Park ist ein leuchtendes Wunderland mit dem berühmten Herzerlbaum. Alle halbe Stunde schwebt ein leuchtendes Herz vom Rathaus in die Zweige. Dann gibt es noch den Eistraum, eine 3.000 Quadratmeter weite Eislauflandschaft, die sich bis zum 6. Januar durch beleuchtete Bäume windet. Machen Sie Ihre Fotos und gehen Sie eislaufen, aber essen Sie woanders. Für ein aristokratischeres Flair sollten Sie zum Schloss Schönbrunn fahren. Er öffnet bereits am 6. November und läuft bis zum 6. Januar. Eingerahmt von der goldenen Residenz der Habsburger bietet dieser Markt mit 80 Ausstellern ein kuratiertes Erlebnis. Die Stände bilden einen Halbkreis um den Hauptbaum. Suchen Sie hier nach mundgeblasenem Glas und geschnitztem Holzspielzeug. Es fühlt sich selten so klaustrophobisch an wie am Rathausplatz. Es ist auch der Ort für Kaiserschmarrn (fluffiger, zerzupfter Pfannkuchen), der mit Zwetschkenröster für etwa €6 bis €7 serviert wird – Kaiser Franz Joseph liebte ihn. Kinder freuen sich über interaktives Ponyreiten und Keks-Workshops.
Art Advent am Karlsplatz: Die nachhaltige Wahl

Fragt man einen Einheimischen nach seinem Lieblingsmarkt, fällt oft der Name Karlsplatz. Offiziell Art Advent genannt, liegt er im Schatten der barocken Karlskirche. Dieser Markt funktioniert anders: Die Vereinigung divina art schreibt vor, dass alle über 80 Aussteller ihre Waren selbst herstellen müssen. Massenproduzierte Importware ist verboten. Man kann den Kunsthandwerkern in Schauwerkstätten bei der Arbeit zuschauen. Es ist ein Fest des österreichischen Handwerks, von Glas aus Bad Ischl bis zu Textilien aus Bad Neustadt. Aber der wahre Magnet ist das Essen. Dies ist der einzige Adventsmarkt in Österreich mit einem zu 100 % zertifizierten Bio-Programm. Die Organisatoren haben fünf Jahre lang mit Bio-Austria zusammengearbeitet, um dies zu realisieren. Von den Maroni bis zum Glühwein ist die Qualität unübertroffen. Im Zentrum gibt es eine riesige Strohlandschaft, in der Kinder spielen können. Sie finden dort ein Karussell aus Upcycling-Objekten sowie Live-Jazz oder akustische Musik. Es fühlt sich an wie ein böhmisches Winterfestival. Der Karlsplatz findet 2025 vom 21. November bis zum 23. Dezember statt und ist ideal für anspruchsvolle Reisende – authentisch und unprätentiös.
Spittelberg: Das dörfliche Bohème-Erlebnis

Der Besuch des Weihnachtsmarkts am Spittelberg fühlt sich an, als würde man ein verstecktes Dorf im 7. Bezirk entdecken. Er nutzt keinen großen Platz, sondern schlängelt sich durch schmale Kopfsteinpflastergassen wie die Spittelberggasse und die Gutenberggasse. Das Viertel ist geprägt von Biedermeier-Architektur des 19. Jahrhunderts, die in den 1980er Jahren von Aktivisten vor dem Abriss gerettet wurde. Vielleicht erkennen Sie die Straßen aus dem Film „Before Sunrise“. Über 120 Stände schmiegen sich zwischen permanente Galerien und Kunsthandwerksboutiquen. Der Spittelberg ist ein zertifiziertes Öko-Event, das lokale und Fair-Trade-Produkte priorisiert. Hier finden Sie Schmuck aus Upcycling-Materialien und Glaskunst auf Korallenbaumwurzeln. Das kulinarische Angebot ist ebenso vielfältig: Probieren Sie polnische Pierogi oder brutzelndes Raclette neben österreichischer Kost. Gehen Sie nicht, ohne die Kartoffelpuffer mit Knoblauchöl probiert zu haben – sie sind aus gutem Grund ein lokaler Klassiker. Da die Gassen eng sind, wird es an Wochenendabenden sehr voll. Besuchen Sie den Markt lieber an einem Wochentagnachmittag, um den romantischen Charme in Ruhe zu genießen.
Am Hof & Freyung: Für Genießer und Wiener Tradition

Im Herzen des 1. Bezirks ergänzen sich zwei benachbarte Märkte perfekt. Am Hof war bereits 1358 der Weinmarkt der Stadt. Einheimische wissen, dass es hier das beste herzhafte Essen gibt. Bewacht von der Mariensäule bieten die über 70 Stände zwar tolles Kunsthandwerk, aber die Gastronomie ist der wahre Star. Bestellen Sie Käsespätzle – warme Eiernudeln mit viel Käse und Röstzwiebeln. Probieren Sie auch eine der riesigen Handwerkswürste. Wer sich etwas gönnen möchte, geht an die Champagner-Bar oder bleibt beim lokalen Glühwein. Nur zwei Minuten entfernt liegt der Altwiener Christkindlmarkt auf der Freyung, der nostalgische Gefühle weckt. Dieser Ort hat eine Tradition bis ins 18. Jahrhundert und konzentriert sich auf hochwertiges Handwerk. Es ist der beste Ort für Glasornamente und traditionelle Keramik. Mit 60 Ständen wirkt die Freyung edler und weniger touristisch als der Rathausplatz. Auf einer kleinen Bühne gibt es täglich adventliche Live-Musik. Besuchen Sie beide Märkte in einem Rutsch: Abendessen Am Hof und Shopping für authentische Erbstücke auf der Freyung – das perfekte Weihnachtsduo.
Die Kunst von Glühwein und Marktküche

Um den Winter zu überstehen, essen und trinken Sie wie die Wiener. Glühwein ist der unangefochtene König – eine warme Mischung aus Wein, Zimt und Zitrusfrüchten für etwa €4.50 bis €6. Für mehr Schwung probieren Sie Punsch; ein Tipp ist der Sissi-Punsch in Schönbrunn mit Kirsche und Amaretto. Oder suchen Sie eine Feuerzangenbowle (ca. €8.50), bei der ein in Rum getränkter Zuckerhut angezündet wird. Für Kinder gibt es Kinderpunsch für ca. €4. Das Tassensystem reduziert Müll: Sie zahlen den Getränkepreis plus einen Pfand von €4 bis €5 für die Keramiktasse. Jeder Markt hat sein eigenes Design, teils in Form von Stiefeln oder Herzen. Behalten Sie die Tasse als günstiges Souvenir oder geben Sie sie zurück, um Ihr Geld zu erhalten. Kombinieren Sie Ihr Getränk mit deftigem Streetfood wie Bauernkrapfen oder riesigen Brezeln. Als Dessert empfiehlt sich eine Tüte Vanillekipferl. Der Duft von Baumkuchen, der über offenem Feuer gebacken wird, ist allgegenwärtig. Es ist der Duft von Weihnachten in Wien.
Praktische Tipps
- 1**Der Tassen-Pfand-Hack:** Zahlen Sie €4-€5 Pfand für Ihre Glühweintasse. Behalten Sie sie als günstiges Souvenir oder geben Sie sie an einem beliebigen Stand desselben Marktes zurück, um Ihr Geld bar zu erhalten.
- 2**Das richtige Timing:** Besuchen Sie den Rathausplatz und den Spittelberg an Wochentagen zwischen 11:00 und 15:00 Uhr. Der Andrang ist dann geringer. Heben Sie sich die Abende für ruhigere Plätze wie das Schloss Belvedere auf.
- 3**Kleingeld mitnehmen:** Viele Stände auf kleineren Märkten wie dem Winter im MQ akzeptieren nur Bargeld. Bringen Sie €10- und €20-Scheine mit. Händler hassen es, große Scheine für ein €5-Getränk zu wechseln.
- 4**Warm anziehen:** Der Wind in Wien kann beißend sein. Tragen Sie Thermokleidung und isolierte Schuhe. Stundenlanges Stehen auf eiskaltem Kopfsteinpflaster lässt die Zehen schnell taub werden.
- 5**Eislaufen beim Wiener Eistraum:** Überspringen Sie am Rathausplatz das Shopping und gehen Sie zum Eistraum. Diese 3.000 m² große Eislandschaft durch die Bäume bleibt bis zum 6. Januar geöffnet.
- 6**Optionen nach Weihnachten:** Die meisten Märkte schließen am 24. Dezember. Nur Schönbrunn, Belvedere und der Prater Wintermarkt haben üblicherweise bis Anfang Januar geöffnet.
- 7**Essen abseits der großen Märkte:** Das Essen am Rathausplatz ist überteuert. Für eine bessere Mahlzeit holen Sie sich Käsespätzle (ca. €7) Am Hof oder Knoblauch-Kartoffelpuffer am Spittelberg.
Top-Sehenswürdigkeiten

Albertina
Auf einem erhaltenen Abschnitt der alten Wiener Stadtmauer thront die Albertina – ein Ort, an dem kaiserliche Geschichte und hochkarätige moderne Kunst aufeinan

Ankeruhr
Suchen Sie auf Wiens ältestem Platz nicht einfach nur nach einer Möglichkeit, die Zeit abzulesen. Schauen Sie nach oben. Die Ankeruhr am Hoher Markt überspannt

Österreichische Nationalbibliothek
Ein Besuch in der Austrian National Library in Vienna fühlt sich weniger wie ein Museumsbesuch an, sondern eher wie der Eintritt in einen barocken Fiebertraum.
Häufig gestellte Fragen
Wann öffnen die Wiener Weihnachtsmärkte 2025?
Haben die Weihnachtsmärkte am ersten Weihnachtsfeiertag geöffnet?
Wie viel kosten Essen und Getränke auf den Märkten?
Welcher ist der beste Weihnachtsmarkt in Wien?
Muss ich Eintritt bezahlen, um die Märkte zu besuchen?
Kann ich an den Ständen mit Kreditkarte bezahlen?
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