Herbst in Vienna: Weinlese, Laubfärbung und Martinigansl
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Herbst in Vienna: Weinlese, Laubfärbung und Martinigansl

Vienna im Herbst ist eine Lektion in atmosphärischem Reisen. Sobald die Augusthitze nachlässt, pendelt sich die Kaiserstadt auf einen Rhythmus aus kühler Luft und goldenem Licht ein. Zwischen September und November erobern die Einheimischen ihre samtgepolsterten Kaffeehäuser von den Sommermassen zurück. Es ist die lohnendste Jahreszeit der Stadt. Die Boulevards aus der Habsburg-Ära sind mit bernsteinfarbenen Blättern bedeckt, und der Wienerwald leuchtet in Kupfer- und Purpurtönen. Im September verwandelt die Weinlese die Hügel von Grinzing und Nussdorf in Freiluft-Verkostungsräume. Sie werden Sturm schlürfen, einen trüben, gärenden Jungwein, während Sie auf die Danube blicken. Bis Oktober läuft der Kulturkalender mit der Vienna State Opera und dem Filmfestival Viennale auf Hochtouren. Der Duft von bratender Martinigansl weht aus den historischen Gasthäusern. Es ist eine Zeit für melancholische Schönheit am Zentralfriedhof oder eine Melange, um dem Novemberregen zu entfliehen. Dies ist die authentische, romantische Version von Vienna, die Sommertouristen verpassen.

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Wetter & was Sie erwartet

Herbst in Vienna: Weinlese, Laubfärbung und Martinigansl — Wetter & was Sie erwartet

Der Herbst kommt hier in drei Akten. Der September fühlt sich wie ein sanfter Sommer an. Erwarten Sie Tageshöchstwerte zwischen 15°C und 20°C (60°F bis 68°F). Es ist ideal, um in kurzen Ärmeln durch die Weinberge zu wandern, aber nehmen Sie für den Abend eine leichte Jacke mit. Die Einheimischen nennen diese Schönwetterperioden „Altweibersommer“. Im Oktober ändert sich die Stimmung. Die Temperaturen sinken gegen 10°C (50°F) und die Luft wird schärfer. Dies ist die Zeit der herrlichsten Laubfärbung. Die Parks werden golden, aber das Wetter ist launisch. Ein sonniger Morgen weicht oft einem grauen, feuchten Nachmittag. Zwiebelprinzip ist hier das A und O. Packen Sie einen Windbreaker, einen schweren Pullover und einen stabilen Regenschirm für die plötzlichen Schauer im Danube-Tal ein. Der November ist der echte Übergang zum Winter. Es wird dunkel und beißend kalt, mit Durchschnittswerten zwischen 2°C und 8°C (35°F bis 46°F). Doch dies ist die beste Zeit für Indoor-Kultur. Besuchen Sie die großen Museen oder verbringen Sie Stunden mit einem Buch im Kaffeehaus. Wenn Sie Ende des Monats kommen, erleben Sie vielleicht die ersten Schneeflocken und die Eröffnung der Weihnachtsmärkte. Bringen Sie einen schweren Mantel und wasserfeste Stiefel für das Kopfsteinpflaster mit.

Die goldene Jahreszeit: Parks & Herbstlaub

Herbst in Vienna: Weinlese, Laubfärbung und Martinigansl — Die goldene Jahreszeit: Parks & Herbstlaub

Wenn sich die Blätter verfärben, werden Viennas kaiserliche Gärten zum größten Anziehungspunkt der Stadt. Die meisten Menschen drängen sich in Schönbrunn oder dem Belvedere, aber Sie sollten an den Stadtrand fahren. Der Lainzer Tiergarten im 13. Bezirk ist der Favorit der Einheimischen. Es ist ein riesiges, 24,5 Quadratkilometer großes Reservat, in dem Wildschweine und Hirsche unter alten Eichen ziehen. Wandern Sie hinauf zur Hermesvilla, dem „Schloss der Träume“, das für Kaiserin Sisi erbaut wurde. Für etwas typisch Wienerisches nehmen Sie die Tram 71 zum Zentralfriedhof. Er fungiert eher als riesiger Park denn als Friedhof. Im Oktober sind die von Bäumen gesäumten Alleen Weltklasse. Vorbei an den Gräbern von Beethoven und Schubert zu spazieren, während die Blätter fallen, fängt die poetische Seele der Stadt ein. Vielleicht entdecken Sie sogar einen Fuchs zwischen den Jugendstil-Grabsteinen. Für die beste Aussicht nehmen Sie den Bus 38A zum Kahlenberg. Der Hügel bietet einen 180-Grad-Blick über die Stadt und die gewundene Danube. Wandern Sie durch die Reben zurück nach Nussdorf. Der Anblick goldener Trauben vor dem grauen Stadtstein ist ein Traum für jeden Fotografen.

Weinlese & Heurigenkultur

Herbst in Vienna: Weinlese, Laubfärbung und Martinigansl — Weinlese & Heurigenkultur

Vienna ist die einzige Weltstadt, die ernsthaften Weinbau innerhalb der Stadtgrenzen betreibt. Über 600 Hektar Reben umgeben das Zentrum. Im Herbst glänzt dieses Erbe besonders. Ende September öffnet der Wiener Weinwandertag private Weinbergpfade in Bezirken wie Döbling und Floridsdorf. Winzer bauen Pop-up-Stände direkt im Weingarten auf. Sie müssen unbedingt einen Wiener Gemischten Satz probieren, einen traditionellen Weißwein aus verschiedenen Rebsorten. Auch nach dem Wanderwochenende geht die Feier beim Heurigen weiter. Achten Sie auf den Föhrenbusch über der Tür in Vierteln wie Neustift am Walde oder Stammersdorf. Das „Ausg'steckt“-Schild bedeutet, dass offen ist und der neue Jahrgang ausgeschenkt wird. Das herbstliche Muss ist der Sturm. Er ist süß, prickelnd und täuschend alkoholisch. Da er noch gärt, kann er nicht abgefüllt werden und hält nur wenige Wochen. Erwarten Sie hier keine weißen Tischtücher. Schnappen Sie sich ein Tablett, holen Sie sich Schweinsbraten und Liptauer vom Buffet und suchen Sie sich eine Holzbank im Hof. Es ist unprätentiös und laut. Genau so, wie Vienna sein sollte.

Das kulinarische Highlight: Martinigansl

Herbst in Vienna: Weinlese, Laubfärbung und Martinigansl — Das kulinarische Highlight: Martinigansl

Ab Ende Oktober dreht sich in der Stadt alles um ein Gericht: Martinigansl. Es ist eine Tradition, die mit dem Festtag am 11. November verbunden ist. Für die Wiener ist es die ultimative Verteidigung gegen die herbstliche Kälte. Ein ordentlicher Teller besteht aus einer riesigen Viertelgans, die langsam gebraten wird, bis die Haut knusprig ist. Sie wird in Saft serviert, dazu gibt es Rotkraut und flaumige Knödel. Manchmal wird ein Bratapfel mit Preiselbeeren gereicht. Der Geschmack ist herzhaft, salzig und süß. Da die Zubereitung Stunden dauert, kann man nicht einfach hineinspazieren und sie bestellen. Sie müssen Ihre Gans mindestens eine Woche im Voraus reservieren. Die Preise liegen zwischen €34 und €45, wobei gehobene Menüs teurer sind. Der Gmoakeller im 3. Bezirk ist dafür eine Institution. Das Gasthaus Wild am Radetzkyplatz ist ein weiterer Favorit mit perfektem süß-saurem Kraut. Wenn Sie es moderner mögen, probieren Sie das Stuwer im 2. Bezirk. Dort gibt es eine ofenfrische Version mit Quittenkraut. Kombinieren Sie dazu ein Glas Blaufränkisch, um das Fett auszugleichen. Es ist jeden Cent wert.

Herbstliche Kulturevents & Festivals

Herbst in Vienna: Weinlese, Laubfärbung und Martinigansl — Herbstliche Kulturevents & Festivals

Viennas Indoor-Leben explodiert, sobald die Hitze abklingt. Die „Lange Nacht der Museen“ Anfang Oktober ist das Hauptevent. Für €19 erhalten Sie von 18:00 bis 01:00 Uhr Zugang zu über 100 Galerien. Ein Shuttle-Bus verbindet die Standorte, aber meiden Sie die langen Schlangen bei der Albertina. Wählen Sie stattdessen kleinere Orte wie das Bestattungsmuseum. Später im Oktober übernimmt das Filmfestival Viennale Vintage-Kinos wie das Gartenbaukino. Es ist kein elitärer Event für den roten Teppich, sondern für echte Filmliebhaber. In den Kaffeehäusern finden Sie bis 02:00 Uhr morgens leidenschaftliche Debatten. Und vergessen Sie nicht die Vienna State Opera. Während Sitzplätze ein Vermögen kosten, ist das Stehplatz-System das beste Angebot in Europa. Sie können Stehplätze online für €13 bis €18 am Tag der Vorstellung um 10:00 Uhr morgens kaufen. Man steht auf dem Balkon bei der besten Akustik der Welt. Das ist der ultimative lokale Geheimtipp. Bringen Sie einfach einen Schal mit, um ihn in der Pause am Geländer festzubinden und Ihren Platz zu reservieren.

Praktische Tipps

  • 1
    Verzichten Sie auf Einzeltickets und laden Sie die App „WienMobil“ herunter. Kaufen Sie einen 7-Tage-Pass für €25.20 oder einen 24-Stunden-Pass für €9.70.
  • 2
    Sichern Sie sich Stehplätze für die State Opera für €13-€18 täglich um 10:00 Uhr online. Binden Sie einen Schal ans Geländer, um Ihren Platz wie die Stammgäste zu markieren.
  • 3
    Der Gänse-Hype ist real. Wenn Sie im Oktober Martinigansl essen wollen, bestellen Sie Ihren Vogel eine Woche im Voraus im Gmoakeller oder Gasthaus Wild vor.
  • 4
    Bargeld ist hier immer noch wichtig. Viele Heurige in Grinzing und die Pop-up-Stände in den Weinbergen nehmen keine Karten. Haben Sie €50 in kleinen Scheinen dabei.
  • 5
    Kleiden Sie sich nach dem Zwiebelprinzip. Das Wetter schwankt stark, packen Sie also einen Windbreaker, einen warmen Schal und Schuhe für nasses Kopfsteinpflaster ein.
  • 6
    Sonntag ist keine gute Zeit zum Einkaufen. Supermärkte und Apotheken sind geschlossen, kaufen Sie also Ihre Vorräte bis Samstagabend ein.
  • 7
    Wenn Sie unter 27 sind, achten Sie auf „U27“-Rabatte. Sie können €20-Tickets für Weltklasse-Aufführungen in der Oper ergattern.
  • 8
    Wählen Sie für die Lange Nacht der Museen vier kleine, kuriose Museen aus. Verschwenden Sie keine zwei Stunden in der Warteschlange vor dem Kunsthistorischen.

Essen & Trinken

Häufig gestellte Fragen

Ist Vienna im Herbst überlaufen?
September und Oktober sind angenehme Nebensaison-Monate mit überschaubaren Menschenmengen bei den Hauptattraktionen. Der November ist einer der ruhigsten Monate des Jahres, ideal für preisbewusste Reisende, bis in der letzten Woche die Weihnachtsmärkte öffnen.
Wie ist das Wetter im Oktober?
Erwarten Sie frische, kühle Tage mit durchschnittlich 10°C bis 15°C (50°F bis 59°F). Es ist ideal zum Wandern, aber Sie sollten mit Regenschauern rechnen und einen Pullover, Windbreaker sowie Regenschirm einpacken.
Wo kann man in Vienna das schönste Herbstlaub sehen?
Der Lainzer Tiergarten und der Zentralfriedhof sind lokale Favoriten für prachtvolles Laub ohne Massen. Auch die klassischen Gärten von Schönbrunn und Belvedere leuchten in herbstlichen Farben.
Was ist „Sturm“ und wann kann man ihn trinken?
Sturm ist ein süßer, trüber und gärender Jungwein, der nur während der Weinlese im Herbst, meist im September und Oktober, erhältlich ist. Man findet ihn beim Heurigen und an Pop-up-Ständen in den Weinbergen.
Wie viel kostet eine Mahlzeit in Vienna?
Ein traditionelles Gericht wie Wiener Schnitzel kostet in einem Standard-Gasthaus zwischen €15 und €25. Saisonale Herbstspezialitäten wie Martinigansl sind teurer und liegen meist zwischen €35 und €45 pro Portion.
Muss man in Österreich Trinkgeld geben?
Ja, Trinkgeld ist üblich. Man gibt generell 5 % bis 10 %, aber anstatt Geld auf dem Tisch zu lassen, nennt man dem Kellner den Gesamtbetrag inklusive Trinkgeld, wenn dieser mit dem Kartengerät oder der Geldbörse kommt.

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