
Vienna Craft Beer Guide: Mikrobrauereien, Taprooms und lokale Pints
Vergessen Sie für einen Moment die gestärkten Tischdecken und den kaiserlichen Walzer. Jenseits der prunkvollen Kaffeehäuser und der Weinbergterrassen an der Donau erlebt Österreichs Hauptstadt eine stille, gärende Revolution. Lange Zeit ruhte sich Vienna auf den Lorbeeren als Geburtsstätte des kupferfarbenen Vienna Lager aus, doch jahrzehntelang waren die Zapfhähne fest in der Hand von Konzernriesen, die sicheres Einheitslager servierten. Damit ist jetzt Schluss. Eine unerschrockene Welle von Mikrobrauern und leidenschaftlichen Wirten hat die Stadt zu einem der meistunterschätzten Reiseziele für Craft Beer in Europa gemacht. Gärtanks verstecken sich in Gewölbekellern unter Einkaufsstraßen, und frische Pints werden in umgebauten Straßenbahndepots gezapft. Die lokalen Brauer jagen nicht nur amerikanischen IPAs nach; sie graben alte österreichische Rezepte aus und verwenden regionales Getreide für etwas einzigartig Lokales. Ob Sie ein Hazy Pale Ale, ein fassgereiftes Stout oder ein funkiges Experiment aus Mischgärung suchen – in den unabhängigen Bars der Stadt fließt es in Strömen. Dieser Guide meidet die Touristenfallen und zeigt Ihnen die echte Wiener Craft-Beer-Szene. Vom 1. bis zum 15. Bezirk erfahren Sie hier, wo es die besten lokalen Tropfen gibt, wie man wie ein Stammgast trinkt und welche Burger tatsächlich einem Double IPA standhalten. Schnappen Sie sich ein Glas, oder ein Seidl, und legen Sie los.
Die Evolution des Wiener Krügerls

Um zu verstehen, warum ein Bier hier so wichtig ist, muss man ins Jahr 1840 zurückblicken. Damals kombinierte Anton Dreher in seiner Brauerei vor den Toren der Stadt englisches Mälzen mit bayerischer Gärung und erfand das Vienna Lager. Es war ein malzbetontes, bernsteinfarbenes Meisterwerk, das die österreichisch-ungarische Monarchie eroberte. Doch die Geschichte ist launisch. Bis zum 20. Jahrhundert war dieser ikonische Stil fast ausgestorben, ersetzt durch massenproduziertes, helles Märzen aus riesigen Konzernbrauereien. Jahrelang bedeutete der Besuch in einem Beisl, dass man nicht einmal die Marke wählte – man bestellte einfach „ein Bier“, basierend auf dem leuchtenden Logo draußen. Vor einem Jahrzehnt änderte sich das. Die Craft-Bewegung traf Vienna mit voller Wucht, angetrieben von besessenen Hobbybrauern und Expats. Heute ist die Szene eine wilde Mischung aus etablierten Brewpubs, winzigen Nachbarschaftsbetrieben und Wanderbrauern, die sich für ihre Chargen einmieten. Es ist eine spannende Dualität: Avantgardistische Pastry Stouts und New England IPAs stehen direkt neben Brauern, die sich akribisch einem perfekten, naturtrüben Zwickl widmen. Diese Mischung aus High-Concept-Innovation und stolzem Traditionalismus verleiht Vienna ein Geschmacksprofil, das man nirgendwo sonst findet.
Pioniere im Zentrum: 1516 und Mel's Diner

Beginnen Sie Ihre Tour im 1. Bezirk. Die erste Station ist die 1516 Brewing Company in der Schwarzenbergstraße 2. Hier wurde schon Craft Beer ausgeschenkt, bevor es zum Modewort wurde. Benannt nach dem Reinheitsgebot von 1516, wirkt der Laden wie eine lebhafte Sportsbar, aber das Brauen ist Präzisionsarbeit. Das Hauslager ist trüb, ungespundet und unglaublich süffig. Der wahre Geheimtipp ist jedoch das Victory Hop Devil IPA. Es nutzt das exakte Rezept aus Pennsylvania und liefert einen bitteren, harzigen Punch, der in der Stadt als Goldstandard gilt. Für eine andere Atmosphäre spazieren Sie zum Mel’s Craft Beers & Diner. Der Name lässt an einen Imbiss denken, aber das Interieur ist pure Lounge. Die Flaschenkarte ist dick wie ein Buch, doch die 24 rotierenden Zapfhähne sind die Hauptattraktion. Selten zahlt man hier mehr als 5 € für ein großes Glas. Es ist ein Ort, an dem man leicht einen ganzen Abend vergisst. Halten Sie Ausschau nach österreichischen Marken wie Brew Age oder Next Level Brewing. Ich achte immer auf das Schleppe No 1, ein Kärntner Pale Ale, das perfekt passt. Beide Lokale sind ab 19:00 Uhr voll – kommen Sie früh oder stellen Sie sich darauf ein, im Stehen zu trinken.
Perlen der Nachbarschaft: AmmutsØn und Hawidere

Verlassen Sie das Zentrum, um das wahre Herz der Gemeinschaft zu finden. Im 6. Bezirk wartet das AmmutsØn Craft Beer Dive in der Barnabitengasse 10. Es ist völlig unabhängig. Inhaber Misho wählt die 12 wechselnden Biere handverlesen aus, ganz ohne Knebelverträge mit Konzernen. Die Zapfhygiene ist besessen – jede Leitung wird bei jedem Fasswechsel gespült, damit das Bier exakt so schmeckt, wie vom Brauer gedacht. Es ist der beste Ort der Stadt für Sauerbiere und Nitro Stouts. Schnappen Sie sich ein Glas der Tiroler Brauerei Bierol und genießen Sie den Abend. Weiter westlich im 15. Bezirk liegt das Hawidere. Der Name ist Wiener Dialekt für „Habe die Ehre“, und der Vibe ist der eines klassischen Gasthauses, das sich zum Craft-Beer-Tempel gewandelt hat. Mit 14 Zapfhähnen und 150 Flaschenbieren dient es als Homebase für Collabs, eine Wanderbrauerei, die für ihr DomRep Pils berühmt ist. Auch das Essen ist erstklassig: Die Burger sind gewaltig. Der Blue Burger mit Blauschimmelkäse, kombiniert mit einem herben österreichischen IPA, ist eine Offenbarung. Im Sommer sitzt man im Schanigarten zwischen Grünpflanzen und Tomaten, die aus alten Bierkisten wachsen. Es fühlt sich an wie eine Gartenparty bei einem Weltklasse-Cicerone.
Brewpubs und Tankbier: Beaver Brewing und Vienna Kraft

Wenn Sie beim Trinken die Maische riechen wollen, ist der Alsergrund Ihr Ziel. Die Beaver Brewing Company in der Liechtensteinstraße 69 wurde von einem amerikanischen Expat gegründet und konzentriert sich auf klassische US-Stile. Freigelegtes Ziegelwerk, Kupferkessel und ein treues Uni-Publikum prägen das Bild. Das Great Lakes Pale Ale ist ein Klassiker, aber die wechselnden Small Batches sind das eigentliche Highlight. Bestellen Sie das „Flight of 6“, um einen Querschnitt der Karte zu probieren. Die hausgeräucherten BBQ-Ribs sollten Sie nicht verpassen. Für einen industriellen Vibe fahren Sie nach Meidling. Vienna Kraft hat sich im Gleis//Garten eingemietet, einem historischen Straßenbahndepot, das zur Markthalle umfunktioniert wurde. Das Bier fließt direkt aus massiven Stahltanks zur Bar – frischer kann man Craft Beer in Vienna nicht trinken. Probieren Sie das Bim 6 IPA, eine Kollaboration, benannt nach der umgangssprachlichen Bezeichnung für die Straßenbahn. Kombinieren Sie das tankfrische Pint mit neapolitanischer Pizza oder Texas BBQ von den umliegenden Ständen.
Bottle Shops und Mikro-Sude: BeerLovers und Malefitz

Die Einzelhandelsseite der Stadt ist ebenso spannend. In der Gumpendorfer Straße ist BeerLovers mit über 1.000 Flaschen der größte Craft-Beer-Shop Europas – ein Lagerhaus für Nerds. Das Geheimnis liegt jedoch im Keller: Dort betreibt die Muttermilch – Vienna Brewery eine Mikro-Anlage auf einem Kupfer-System von Kaspar Schulz. Ihr Bitta von Tresen Pilsner ist herb und clean, das Wiener Bubi ein Lehrbuchbeispiel für ein Vienna Lager. Man kann sie oben kaufen oder bei einer Kellerverkostung probieren. Intimer geht es am Meidlinger Markt zu. Suchen Sie nach den leuchtend gelben Fensterläden von Malefitz. Dieser winzige Kiosk wird von Alexander Fitz betrieben, der über 84 rein österreichische Mikrobrauereien führt. Es ist unprätentiös und persönlich. Schnappen Sie sich eine Flasche eines seltenen österreichischen Black IPA, nehmen Sie an einem Hochtisch mitten im Marktgeschehen Platz und beobachten Sie das Treiben. Das ist eine lokale Erfahrung, die die meisten Touristen komplett verpassen.
Bestellung, Etikette und Trinkgeld wie ein Local

Bestellen hat hier eine eigene Sprache. Wer einfach „ein Bier“ verlangt, bekommt ein Krügerl (0,5 l). Wer einen klaren Kopf bewahren will, bestellt ein Seidl (0,3 l). Manche traditionellen Orte bieten einen Pfiff (0,2 l) an, was in Craft-Bars jedoch selten ist. Wenn das Bier kommt, warten Sie kurz: Man muss mit jedem anstoßen, den anderen dabei direkt in die Augen schauen und „Prost!“ sagen. Den Blickkontakt zu unterbrechen, gilt als Omen für sieben Jahre schlechtes Pech. Die Preise sind fair, meist zwischen 4,90 € und 6,90 €. Trinkgeld ist ein kurzes Gespräch, keine Zeile auf dem Beleg. Runden Sie beim Bezahlen auf. Wenn die Rechnung 13,50 € beträgt, geben Sie einen Zwanziger und sagen: „Fünfzehn, bitte.“ Man gibt Ihnen 5 € zurück, der Rest ist das Trinkgeld. Wenn Sie es passend haben, sagen Sie einfach: „Stimmt so.“ Viele der besten Lokale wie Hawidere oder Malefitz akzeptieren nur Bargeld. Haben Sie immer ein paar Euroscheine dabei, sonst suchen Sie mitten in der Tour nach einem Bankomaten.
Praktische Tipps
- 1Größen lernen: Ein 0,5l ist ein Krügerl. Ein 0,3l ist ein Seidl. Wählen Sie das Seidl, wenn Sie sich durch eine starke Tap-Liste probieren.
- 2Bargeld ist wichtig: Moderne Orte wie Beaver Brewing nehmen Karten, aber Schätze wie Hawidere und Malefitz sind oft Cash-only. Erst zum Bankomaten.
- 3Die Rundungsregel: Lassen Sie keine Münzen auf dem Tisch liegen. Nennen Sie dem Kellner beim Bezahlen den Gesamtbetrag inklusive Trinkgeld.
- 4Blickkontakt halten: Niemals vor dem „Prost“ nippen. Gläser klingen lassen und jedem am Tisch direkt in die Augen schauen. Das ist Pflicht.
- 5Nightline nutzen: Die U-Bahn fährt Freitag und Samstag 24 Stunden. Unter der Woche gibt es Nachtbusse (N), die nach Mitternacht alle 30 Minuten fahren.
- 6Ab zum Würstelstand: Spätes Trinken verlangt nach einer Unterlage. Bestellen Sie eine Käsekrainer mit Senf und Brot, um den Morgen zu überstehen.
- 7Das Flight bestellen: Orte wie Beaver Brewing bieten ein „Flight of 6“ mit 0,1l-Proben an – ideal, um eine neue Karte zu erkunden.
- 8Im Keller shoppen: Besuchen Sie BeerLovers für Souvenirs, aber werfen Sie unbedingt einen Blick in den Keller zur Muttermilch-Brauerei.
Essen & Trinken

1516 Brewing Company
Vergessen Sie gestärkte Tischdecken und leise Violinen. Seit 1999 ist die 1516 Brewing Company das lebhafte Gegenmittel zur formellen Wiener Kaffeehauskultur. B

Siebensternbräu
Erwarten Sie im Siebensternbräu keine weißen Tischdecken oder gedämpftes Flüstern. Seit 1994 fungiert dieses Kraftzentrum in Neubau als inoffizielles Wohnzimmer

Restaurant Al Borgo
Das Al Borgo liegt in einer ruhigen Seitenstraße im 1. Bezirk, nur einen kurzen Spaziergang vom Trubel am Stephansdom und dem Stadtpark entfernt. Während Vienna
Häufig gestellte Fragen
Wie viel kostet ein Craft Beer in Vienna?
Was ist der traditionelle lokale Bierstil in Vienna?
Gibt man in Österreich Trinkgeld an der Bar?
Darf man in Wiener Bars drinnen rauchen?
Sind Craft-Beer-Taprooms in Vienna familienfreundlich?
Welches Viertel eignet sich am besten für ein Pub Crawl?
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