Wiens dunkle Geschichte: Ein lokaler Guide zu makabren Museen & der Kapuzinergruft
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Wiens dunkle Geschichte: Ein lokaler Guide zu makabren Museen & der Kapuzinergruft

Vergessen Sie für einen Moment die goldenen Paläste und die Sachertorte. Um Wien wirklich zu verstehen, müssen Sie sich mit seiner Besessenheit für das Grab beschäftigen. Wir nennen es „Die Schöne Leich“ – eine lokale Fixierung darauf, mit Stil abzutreten, die diese Stadt seit Jahrhunderten prägt. Man findet sie im Untergeschoss einer stillen Kirche oder in einem zylindrischen Turm, der einst die „Irren“ beherbergte. Dieser Guide lässt die typischen Kunstgalerien aus und zeigt Ihnen die Abgründe der Stadt: medizinische Alpträume des 18. Jahrhunderts, kaiserliche Bronzesarkophage und einen Souvenirshop, der USB-Sticks in Sargform verkauft. Es ist skurril, direkt und einfach typisch wienerisch.

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Der Wiener Totenkult: „Die Schöne Leich“ verstehen

Wiens dunkle Geschichte: Ein lokaler Guide zu makabren Museen & der Kapuzinergruft — Der Wiener Totenkult: „Die Schöne Leich“ verstehen

In Wien ist der Tod nicht einfach nur das Ende, sondern die letzte Chance, zu glänzen. Früher sparten die Einheimischen ihr ganzes Leben lang, um sicherzustellen, dass ihr Begräbnis ein gesellschaftliches Spektakel wurde. Wir nennen das „A schöne Leich“. Man kann sogar die Pompfüneberer (die grimmigen, schwarz gekleideten Bestatter) beobachten, wie sie eine Beisetzung wie eine choreografierte Oper inszenieren. Das ist nicht nur Geschichte, das liegt in unseren Genen. Wir haben den Zentralfriedhof, auf dem die Toten die Lebenden zwei zu eins übertreffen. Deshalb kann man in einem Kaffeehaus ein dekadentes Stück Torte essen und direkt danach einen Raum voller Skelettanomalien betreten. Wir finden den Schatten genauso wichtig wie das Licht. Selbst Freud hätte es wohl als klassischen Fall von „Todestrieb“ bezeichnet.

Die Kaisergruft: Schlafen mit den Habsburgern

Wiens dunkle Geschichte: Ein lokaler Guide zu makabren Museen & der Kapuzinergruft — Die Kaisergruft: Schlafen mit den Habsburgern

Hinter der unscheinbaren Kapuzinerkirche an der Tegetthoffstraße 2 verbirgt sich die Kaisergruft, die seit 1633 die sterblichen Überreste von 150 Habsburgern beherbergt. Die Luft wird dünn und kalt, während man hinabsteigt. Es ist eine Lehrstunde in Ego und Kupfer. Halten Sie Ausschau nach dem gewaltigen Doppelsarkophag von Maria Theresia und ihrem Gemahl Franz I. Stephan, der mit weinenden Statuen verziert ist. Direkt zu ihren Füßen steht eine schlichte Kupferkiste: Ihr Sohn, Joseph II., ein Reformer, der Prunk hasste. Versäumen Sie nicht das Grab von Sisi, das stets unter frischen Blumen begraben liegt. Bei der Beisetzung von Kaiserin Zita im Jahr 1989 öffnete der Mönch die Tür erst, als sie als „sterblicher, sündiger Mensch“ angekündigt wurde. Tickets für Erwachsene kosten zwischen €8.50 und €15. Mit dem Vienna Pass ist der Eintritt frei. Täglich geöffnet von 10:00 AM bis 6:00 PM.

Narrenturm: Pathologisch-anatomische Sammlung

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Der Narrenturm zeigt den Tod ohne Bronzeschmuck. Sie finden ihn im Hof 13 des Altes AKH in der Spitalgasse 2. Diese Rundfestung war Europas erstes psychiatrisches Krankenhaus, erbaut im Jahr 1784. Heute beherbergt sie 45.000 pathologische Präparate. Es ist ein bedrückender, stiller Ort. Sie spazieren durch gebogene Gänge, gesäumt von Wachsmodellen von Hautkrankheiten und durch Knochenfraß verformten Skeletten. Es ist klinisch und respektvoll, keine Jahrmarktsattraktion. Beachten Sie, dass Fotografieren streng verboten ist und das Personal genau hinsieht. Für Kinder unter 14 Jahren nicht geeignet. Der Eintritt kostet €8.00 für Erwachsene (unter 19 Jahren frei). Geöffnet Mittwoch bis Samstag von 10:00 AM bis 5:00 PM. Investieren Sie die zusätzlichen €5 für eine Führung, um die Studiensammlung zu sehen.

Bestattungsmuseum: Das skurrile Museum am Friedhof

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Nehmen Sie die Straßenbahn 71 bis zur Stadtgrenze für eine Dosis schwarzen Humor. Das Bestattungsmuseum befindet sich unter der Aufbahrungshalle 2 am Zentralfriedhof. In dieser gewaltigen Nekropole ruhen Beethoven und Schubert, aber das Museum ist der eigentliche Clou. Hier finden Sie 250 Exponate, darunter „Rettungswecker“ für jene, die Angst hatten, lebendig begraben zu werden. Schauen Sie sich den Sparsarg aus der Ära von Joseph II. an: Er besaß eine Falltür, um Leichen in Massengräber zu werfen, damit das Holz wiederverwendet werden konnte. Das Volk hasste ihn. Das Museum ist Mittwoch bis Freitag von 10:00 AM bis 4:00 PM geöffnet (im Sommer auch samstags). Schnappen Sie sich vor dem Gehen ein Zigarettenetui mit der Aufschrift „Rauchen sichert Arbeitsplätze“ im Shop. Das ist Wien pur.

Wiener Kriminalmuseum: Drei Jahrhunderte dunkler Taten

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Das Wiener Kriminalmuseum in der Große Sperlgasse 24 befindet sich in einem Haus von 1685, das sich so alt anfühlt wie die Verbrechen, die es dokumentiert. Es ist ein ungeschönter Blick auf Laster und Gewalt in der Stadt. Tauschen Sie die Palasttour gegen diesen Ort. Sie wandern durch Räume voller mittelalterlicher Folterwerkzeuge und körniger Tatortfotos. Es deckt alles ab, vom Attentat auf Kaiser Franz Joseph bis hin zu Profilen lokaler Serienmörder. Es ist intensiv und erfordert einen starken Magen. Geöffnet Mittwoch bis Sonntag von 10:00 AM bis 5:00 PM. Der Eintritt beträgt €12.50. Da die meisten Beschriftungen auf Deutsch sind, lohnen sich die €2.50 für den Audio-Guide. Wenn Sie wieder herauskommen, werden Sie in der Leopoldstadt erst einmal einen starken Kaffee brauchen.

Praktische Tipps

  • 1
    Keine Kameras im Narrenturm: In der Gruft darf fotografiert werden, im Narrenturm ist es strikt verboten. Respektieren Sie die Präparate.
  • 2
    Die Gruft ist immer kalt: Sie liegt unter der Erde und ist selbst im Juli feucht. Nehmen Sie einen Pullover mit, sonst zittern Sie sich durch die Habsburger-Geschichte.
  • 3
    Mit der Linie 71 bis zur Endstation: Der Zentralfriedhof ist eine eigene Stadt. Bleiben Sie bis zum Tor 2 (Zentralfriedhof 2. Tor) sitzen, um direkt beim Bestattungsmuseum zu landen.
  • 4
    Audio-Guide im Kriminalmuseum nehmen: Ohne perfekte Deutschkenntnisse verpassen Sie die besten Details der Polizeiberichte. Die €2.50 sind gut investiert.
  • 5
    Kinder lieber nicht mitnehmen: Der Narrenturm ist explizit und verstörend. Das Personal empfiehlt aus gutem Grund ein Mindestalter von 14 Jahren.
  • 6
    Öffnungszeiten prüfen: Dies sind keine großen Staatsmuseen. Das Bestattungsmuseum ist meist nur Mi–Fr geöffnet, der Narrenturm bleibt So–Di geschlossen.
  • 7
    Vienna City Card nutzen: Zeigen Sie Ihre Karte vor, um im Kriminalmuseum und im Narrenturm ein paar Euro beim Eintritt zu sparen.
  • 8
    E-Mail für englische Touren: Für die Studiensammlung im Narrenturm sollten Sie vorab an pas@nhm.at schreiben. Englische Guides hängen von der Tagesbesetzung ab.

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Häufig gestellte Fragen

Ist der Narrenturm für Kinder geeignet?
Nein, der Narrenturm wird für kleine Kinder nicht empfohlen. Die Exponate zeigen echte menschliche Überreste und grafische medizinische Modelle, daher liegt die Altersempfehlung bei mindestens 14 Jahren.
Wo befindet sich das Bestattungsmuseum?
Das Bestattungsmuseum liegt unter der Aufbahrungshalle 2 am Wiener Zentralfriedhof. Die Adresse lautet Simmeringer Hauptstraße 234, erreichbar mit der Straßenbahnlinie 71.
Was bedeutet „Die Schöne Leich“?
„Die Schöne Leich“ beschreibt die historische Wiener Obsession mit dem Tod, insbesondere den Wunsch, für einen prunkvollen und extravaganten Leichenzug zu sparen.
Darf man in der Kaisergruft fotografieren?
Ja, das Fotografieren für den privaten Gebrauch ist in der Kaisergruft erlaubt. Dies steht im Gegensatz zum Narrenturm, wo Kameras streng verboten sind.
Wie viel kosten die Tickets für das Wiener Kriminalmuseum?
Der reguläre Eintritt für Erwachsene beträgt €12.50. Ermäßigte Tickets für Studierende unter 26, Senioren und Inhaber der Vienna City Card kosten €10.50.
Wer ist in der Kaisergruft begraben?
In der Gruft ruhen über 150 Mitglieder der Habsburger-Dynastie, darunter Maria Theresia, Kaiser Franz Joseph I., Kaiserin Elisabeth (Sisi) und Kronprinz Rudolf.
Wie lange dauert ein Besuch im Narrenturm?
Auf eigene Faust verbringen die meisten Besucher etwa 45 bis 60 Minuten in der öffentlichen Sammlung. Mit einer Führung oder bei intensivem Lesen der Tafeln sollte man eher 90 Minuten einplanen.

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