Architektur-Guide Wien & Hundertwasser: Von kaiserlicher Eleganz bis zur Öko-Rebellion
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Architektur-Guide Wien & Hundertwasser: Von kaiserlicher Eleganz bis zur Öko-Rebellion

Vergessen Sie für einen Moment das Postkarten-Image von Wien. Abseits der zuckerbäckerhaften Fassaden der Hofburg und der spitzen Türme des Rathaus ist diese Stadt ein Schauplatz architektonischer Kämpfe. Hier bot der strenge Modernismus dem kaiserlichen Kitsch die Stirn, und hier erklärte der Öko-Rebell Friedensreich Hundertwasser später der geraden Linie den totalen Krieg. Verfolgen Sie am Vormittag Otto Wagners Wandel vom vergoldeten Jugendstil zum kühlen Funktionalismus und gönnen Sie sich danach einen starken Drink in einer Bar von Adolf Loos, die wie ein Schmuckkästchen aus Mahagoni wirkt. Am Nachmittag wandern Sie durch eine psychedelische, baumbewachsene Traumwelt. Dies ist nicht nur eine Liste von Sehenswürdigkeiten, sondern ein Leitfaden durch den Widerstand der Stadt. Nutzen Sie die WienMobil App für den Nahverkehr, finden Sie den besten Kuchen in einer umgebauten Möbelfabrik und erleben Sie die Hauptstadt jenseits von Mozart und Marmor.

Fotos

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Die Geburtsstunde der Moderne: Otto Wagner & Adolf Loos

Architektur-Guide Wien & Hundertwasser: Von kaiserlicher Eleganz bis zur Öko-Rebellion — Die Geburtsstunde der Moderne: Otto Wagner & Adolf Loos

Der kaiserliche Barock wirkt in der Wiener Innenstadt wie das einzige Gesetz – bis man die Rebellion im Detail entdeckt. Um die Jahrhundertwende brach Otto Wagner mit der Tradition, um die Stadt in die Moderne zu führen. Spazieren Sie die Linke Wienzeile entlang zum Majolikahaus (1898). Seine florale Kachelfassade ist ein Prachtstück, das die Brücke zwischen Jugendstil und reiner Funktion schlägt. Doch für den echten Schock vergleichen Sie Wagners Blumen mit dem kühlen Blick von Adolf Loos. Gehen Sie zum Michaelerplatz zum Looshaus, das direkt gegenüber der prunkvollen Hofburg steht. Als es 1910 eröffnet wurde, lösten seine schmucklosen Fenster einen Skandal aus. Die Wiener nannten es das „Haus ohne Augenbrauen“. Kaiser Franz Joseph hasste es so sehr, dass er die Palastvorhänge geschlossen hielt, um den Anblick zu meiden. Um das Genie von Loos selbst zu spüren, kehren Sie in die Loos American Bar im Kärntner Durchgang ein. Mit 27 Quadratmetern ist sie winzig, doch Spiegel und Onyx schaffen eine massive Raumtiefe. Ein Cocktail kostet hier €14 bis €20 – ein obligatorisches Ritual. Verpassen Sie nicht Wagners Postsparkasse (Österreichische Postsparkasse) aus dem Jahr 1906. Er verwendete Stahlbeton und Aluminium, als diese noch als Industrieschrott und nicht als Kunst galten. Die Kassenhalle ist ein Tempel der Sachlichkeit. Diese Männer beendeten den Schnörkel des 19. Jahrhunderts und ebneten den Weg für die radikalen Wohnbauprojekte des Roten Wien.

Auftritt des Öko-Rebellen: Die Vision von Friedensreich Hundertwasser

Architektur-Guide Wien & Hundertwasser: Von kaiserlicher Eleganz bis zur Öko-Rebellion — Auftritt des Öko-Rebellen: Die Vision von Friedensreich Hundertwasser

Während Loos die Stadt entblößte, brachte Friedensreich Hundertwasser den Aufruhr. In den 1980er Jahren attackierte der Künstler die „gottlose gerade Linie“ und forderte Räume, in denen Mensch und Baum gleichberechtigt leben. Sein bekanntester Schlag ist das Hundertwasserhaus in der Kegelgasse 36-38 im 3. Bezirk. Diese Gemeindebauanlage wirkt wie ein geschmolzenes Puzzle aus Primärfarben und Dachwäldern. Sie werden Bäume sehen, die aus den Fenstern wachsen – das sind „Baummieter“, die ihre Rechte einfordern. Versuchen Sie jedoch nicht, hineinzugehen. Hier wohnen echte Menschen, die ihre Privatsphäre schätzen. Bleiben Sie in der Fußgängerzone, um das wellige Kopfsteinpflaster und den Brunnen zu bewundern. Direkt gegenüber liegt das Hundertwasser Village. Es war bis 1990 eine Reifenwerkstatt, bevor der Künstler es in einen Basar verwandelte. Mit seinen Magnet-Ständen neigt es zum Touristennepp, aber schauen Sie dennoch für fünf Minuten rein. Das Design des Cafés und die psychedelischen Toiletten sind wie aus einem Märchen. Kommen Sie am Vormittag, wenn das Licht die Farben am besten trifft, bevor die Massen eintreffen.

Kunst und Ökologie: Im Kunst Haus Wien

Architektur-Guide Wien & Hundertwasser: Von kaiserlicher Eleganz bis zur Öko-Rebellion — Kunst und Ökologie: Im Kunst Haus Wien

Gehen Sie zehn Minuten vom Wohnprojekt zur Unteren Weißgerberstraße zum Kunst Haus Wien. Das ist das Hauptereignis. 1991 verwandelte Hundertwasser eine alte Thonet-Möbelfabrik in ein mosaikverziertes Museum. Die schwarz-weiße Schachbrettfassade ist in Efeu und unregelmäßige Farbspritzer gehüllt. Es beherbergt die weltweit größte Sammlung seiner Gemälde und Modelle. Der Eintritt kostet €16, mit der Vienna City Card gibt es 30% Rabatt. Die Böden im Inneren sind die Hauptattraktion: Sie sind uneben und hügelig wie ein Waldboden – eine bewusste Entscheidung, um Sie zu entschleunigen und Ihr Gleichgewicht finden zu lassen. Das Gebäude wurde gerade umfassend modernisiert und wird nun mit hydrothermaler Energie betrieben; es ist offiziell das erste „Grüne Museum“ Österreichs. Auf dem Dach leben sogar 140.000 Bienen, die Honig für den Museumsshop produzieren. Beenden Sie Ihren Besuch im Café Friedlich im Erdgeschoss. Das 2024 wiedereröffnete Café ist eine grüne Oase mit Mosaiksäulen. Bestellen Sie die cremige Brennnesselsuppe (Hundertwassers Leibspeis) und lassen Sie die steifen Cafés an der Ringstraße für einmal links liegen.

Schöner brennen: Die Müllverbrennungsanlage Spittelau

Architektur-Guide Wien & Hundertwasser: Von kaiserlicher Eleganz bis zur Öko-Rebellion — Schöner brennen: Die Müllverbrennungsanlage Spittelau

Das wildeste Gebäude im 9. Bezirk ist tatsächlich eine Müllanlage: die Müllverbrennungsanlage Spittelau. Nach einem Brand im Jahr 1987 bat die Stadt Hundertwasser um die Neugestaltung. Er sagte erst zu, als man ihm versprach, die weltweit beste Rauchgasreinigung zu installieren. Heute beheizt sie Hunderttausende Haushalte. Nehmen Sie die U4 oder U6 nach Spittelau und Sie werden eine goldene Kugel auf einem massiven Schornstein leuchten sehen. Das ganze Areal wirkt wie Willy Wonkas Festung mit blauen Fliesen und gezackten Fenstern. Es ist das einzige Versorgungsgebäude, das man auf Postkarten findet. Der Blick vom Donaukanal ist toll, aber hineinzugehen ist besser. Wien Energie bietet kostenlose Führungen an. Sie können auf einem Glasboden über dem Müllbunker stehen und das Hightech-Innere sehen. Diese Touren müssen Wochen im Voraus auf der Website von Wien Energie gebucht werden. Es ist der beste Beweis dafür, dass nachhaltige Technik nicht langweilig sein muss.

Planung Ihrer Architektur-Safari: Tipps vor Ort

Architektur-Guide Wien & Hundertwasser: Von kaiserlicher Eleganz bis zur Öko-Rebellion — Planung Ihrer Architektur-Safari: Tipps vor Ort

Wiens Nahverkehr ist effizient, aber die Regeln ändern sich. Ab 2026 kostet ein digitales 24-Stunden-Ticket in der WienMobil App €9.70; Papierversionen sind teurer. Meiden Sie die U-Bahn, wann immer möglich, und nutzen Sie die Straßenbahnen, um die Stadt an sich vorbeiziehen zu lassen. Die Linie 1 ist Ihr bestes Werkzeug: Sie umrundet die Ringstraße für den imperialen Prunk und fährt dann in den 3. Bezirk. Steigen Sie bei der Hetzgasse aus, um in zwei Minuten beim Hundertwasserhaus zu sein. Von dort gehen Sie zum Kunst Haus Wien. Wenn Sie aktiv sein wollen, schnappen Sie sich ein WienMobil Rad und fahren Sie am Kanal entlang bis Spittelau. Wenn Sie mehrere Orte besuchen, lohnt sich die Vienna City Card. Sie deckt alle Verkehrsmittel ab und senkt den Eintritt im Kunst Haus um 30%. Zudem bietet sie einen Grund, an den Stadtrand zu fahren: Besuchen Sie Steinhof, um Otto Wagners Kirche am Steinhof mit ihrer goldenen Kuppel zu sehen – der perfekte Abschluss einer Moderne-Tour.

Praktische Tipps

  • 1
    **WienMobil App nutzen:** Sparen Sie Geld und verzichten Sie auf Papier. Das digitale 24-Stunden-Ticket kostet €9.70, während die Papierversion €10.20 kostet. Vor Fahrtantritt kaufen und aktivieren.
  • 2
    **Straßenbahn Linie 1:** Das beste Sightseeing-Schnäppchen der Stadt. Sie umrundet den Ring und bringt Sie zur Hetzgasse für das Hundertwasserhaus.
  • 3
    **Privatsphäre achten:** Das Hundertwasserhaus ist ein bewohntes Mietshaus. Bitte nicht klingeln oder Drohnen fliegen lassen. Betrachten Sie es vom Gehweg der Kegelgasse aus.
  • 4
    **Plätze in Spittelau sichern:** Die Touren durch die Müllverbrennungsanlage sind kostenlos und faszinierend. Sie sind schnell ausgebucht, also lange vorab auf der Wien Energie Website reservieren.
  • 5
    **City Card vorzeigen:** Sie rechnet sich, wenn man Museen besucht. Sparen Sie 30% auf die €16 Eintritt im Kunst Haus und nutzen Sie den Nahverkehr unbegrenzt.
  • 6
    **Loos Bar finden:** Kärntner Durchgang 10. Gehen Sie früh hin, da 27 Quadratmeter nicht viel Platz bieten. Rechnen Sie mit €14 bis €20 für einen Drink.
  • 7
    **Essen im Café Friedlich:** Ein Juwel im Erdgeschoss des Kunst Haus Wien. Probieren Sie die Brennnesselsuppe oder einen Budapest Bagel inmitten der Mosaikböden.
  • 8
    **Dach-Honig kaufen:** Die 140.000 Bienen auf dem Dach des Kunst Haus produzieren Bio-Honig. Ein Glas aus dem Museumsshop ist ein echtes lokales Souvenir.

Top-Sehenswürdigkeiten

Häufig gestellte Fragen

Kann man das Hundertwasserhaus in Wien von innen besichtigen?
Nein, das Hundertwasserhaus ist ein reguläres Wohngebäude, und das Innere ist zum Schutz der Privatsphäre der Mieter strengstens für die Öffentlichkeit gesperrt. Sie können jedoch das Hundertwasser Village direkt gegenüber erkunden, das ebenfalls vom Künstler gestaltet wurde und Cafés sowie Geschäfte beherbergt.
Wie viel kostet der Eintritt im Kunst Haus Wien?
Der reguläre Eintritt für Erwachsene beträgt €16, aber Studenten, Senioren und Inhaber der Vienna City Card erhalten Ermäßigungen. Kinder unter 10 Jahren haben freien Eintritt.
Was ist das Gebäude mit der goldenen Kuppel in Spittelau?
Es handelt sich um die Müllverbrennungsanlage Spittelau, eine Anlage, die Wiener Müll in umweltfreundliche Fernwärme umwandelt. Sie wurde nach einem Brand 1987 von Friedensreich Hundertwasser neu gestaltet und ist heute ein beliebtes Fotomotiv.
Wie komme ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Hundertwasserhaus?
Der einfachste Weg aus dem Zentrum ist die Straßenbahnlinie 1 in Richtung Prater Hauptallee bis zur Haltestelle Hetzgasse. Von dort sind es nur 2 Minuten Fußweg zum Gebäude in der Kegelgasse.
Wer war Friedensreich Hundertwasser?
Er war ein visionärer österreichischer Künstler, Architekt und Umweltschützer des 20. Jahrhunderts, bekannt für leuchtende Farben und die Ablehnung der geraden Linie. Er setzte auf organische Architektur mit Bäumen, unebenen Böden und Gründächern.
Wo kann man Architektur von Adolf Loos in Wien sehen?
Die bekanntesten Beispiele sind das kontroverse Looshaus am Michaelerplatz und die winzige, exquisit gestaltete Loos American Bar im Kärntner Durchgang 10. Auch die Werkbundsiedlung zeigt seine vom Bauhaus beeinflussten Entwürfe.

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