
Der ultimative Insider-Guide zur Spanischen Hofreitschule & den Lipizzanern
Wer die Spanische Hofreitschule betritt, katapultiert sich direkt zurück in die Zeit der Habsburger. Dies ist kein verstaubtes Reitzentrum, sondern ein lebendiges Museum der Reitkunst unter der Michaelerkuppel der Hofburg. Obwohl ich schon tausendmal über das Kopfsteinpflaster am Michaelerplatz gelaufen bin, beeindruckt mich das „Ballett der Weißen Hengste“ jedes Mal aufs Neue. Seit 450 Jahren wird hier die Tradition der Renaissance-Hohen-Schule gepflegt – es ist die älteste Schule ihrer Art weltweit. Die Stars sind die Lipizzaner: brillante, kraftvolle Tiere mit spanischem, neapolitanischem und arabischem Blut. Ihnen dabei zuzusehen, wie sie sich im Takt klassischer Wiener Musik unter Barockleuchtern bewegen, ist eine Lektion in Geduld und Perfektion. Egal, ob Pferdeliebhaber oder Geschichtsfan: Das muss man gesehen haben. Ich zeige Ihnen, wie Sie günstige Tickets für die Morgenarbeit ergattern, Touristenfallen umgehen und bei einer geheimen Tour sogar den Dachstuhl des Palastes erkunden.
Das Erbe der Lipizzaner und die Winterreitschule

Diese Schule ist das Herz der Wiener Pferdekultur und reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Lassen Sie sich vom Namen „Spanisch“ nicht verwirren: Er bezieht sich auf die robusten iberischen Pferde, die Kaiser Ferdinand I. vor Jahrhunderten an den Hof brachte. Diese Hengste wurden im Gestüt Lipica (im heutigen Slowenien) mit neapolitanischem und arabischem Blut gekreuzt, woraus der Lipizzaner entstand. Heute dient das Bundesgestüt Piber in der Steiermark als Kinderstube für die künftigen Stars. Die meisten Lipizzaner kommen mit dunklem Fell zur Welt – als Fohlen sind sie schwarz, braun oder mausgrau – und entwickeln ihr charakteristisches Porzellanweiß erst im Alter von vier bis acht Jahren. Wenn Sie genau hinsehen, entdecken Sie vielleicht einen dunklen Hengst in der Gruppe. Die Tradition besagt, dass die Schule mindestens einen als Glücksbringer behalten muss. Es dauert ein Jahrzehnt, bis Pferd und Reiter die fast telepathische Verbindung für die klassische Dressur beherrschen. Ihre Vorführungen finden in der Winterreitschule statt, einem Meisterwerk von Joseph Emanuel Fischer von Erlach aus dem Jahr 1735. Jede Säule und jedes Stuckdetail wurde so entworfen, dass Aristokraten ihren Tieren subtile Signale geben konnten. Wer heute in den Galerien sitzt, blickt auf ein Handwerk, das offiziell unter dem Schutz der UNESCO steht.
Die Morgenarbeit (Morgenarbeit): Die Budget-Option für Insider

Sparen Sie sich die teuren Gala-Tickets und besuchen Sie stattdessen die Morgenarbeit. Sie findet meist von Dienstag bis Freitag zwischen 10:00 Uhr und 11:00 Uhr statt und bietet einen authentischen Einblick in den Trainingsalltag von Reiter und Hengst. Die Tickets sind mit Preisen zwischen 16 € und 27 € erschwinglich. Erwarten Sie jedoch nicht die explosiven Sprünge, die man von den Postern kennt. Der Vormittag dient der Entspannung, dem Muskelaufbau und der Verfeinerung der Bewegungsabläufe. Sie sehen zwei Gruppen: die ungestümen grauen Junghengste, die noch lernen, und die erfahrenen „weißen Stars“, die ihre Beinarbeit zu klassischer Musik perfektionieren. Ein Profi-Tipp: Mit dem Vienna Pass ist der Eintritt frei. Da der Pass jedoch nur für Stehplätze gilt, sollten Sie frühzeitig da sein, um sich einen Platz direkt an der Brüstung zu sichern. Die dramatische Beleuchtung der Wochenendshows fehlt zwar, aber die stille, repetitive Kommunikation zwischen Mensch und Tier zu beobachten, ist oft sogar noch beeindruckender.
Das Hauptereignis: Gala-Vorführungen und die Hohe Schule

Für das volle Spektakel benötigen Sie einen Sitzplatz bei einer Gala. Hier präsentieren die Lipizzaner die „Schulen über der Erde“ – jene akrobatischen Sprünge, die einst auf den Schlachtfeldern der Renaissance genutzt wurden. Kurze 45-minütige Shows kosten ab ca. 26 € (Stehplatz) bis zu 110 € (Sitzplatz). Die komplette 90-minütige Gala kann für einen Logenplatz bis zu 188 € kosten. Diese finden am Wochenende statt und sind oft Monate im Voraus ausgebucht. Zu sehen gibt es die Levade, bei der das Pferd in einem 35-Grad-Winkel auf den Hinterbeinen verharrt, die Courbette (Sprünge auf den Hinterbeinen) und die Kapriole, ein gewaltiger vertikaler Sprung mit Ausschlagen der Hinterbeine. Der Höhepunkt ist die Schulquadrille: Acht Hengste tanzen in perfekter Synchronität zu Mozart und Strauss. Die Atmosphäre ist feierlich, die Luster strahlen, die Reiter tragen traditionelle braune Fräcke sowie Zweispitze, und das Publikum verharrt in andächtiger Stille. Wenn es das Budget zulässt, bieten die Sitzplätze in der ersten Galerie die beste Sicht auf die schiere Kraft dieser Hengste.
Hinter den Kulissen: Stallführungen und die Architektur-Tour

Geschichtsinteressierte sollten den Blick über die Arena hinauswagen. Eine 60-minütige geführte Tour (ca. 24 €) führt über die Straße in die Stallburg. Es ist Wiens ältester Renaissance-Hof und dient als Luxusunterkunft für die Hengste. Sie wandern durch die Stallgassen, sehen die Pferde in ihren Boxen und besichtigen die historische Sattelkammer. Die Architektur-Tour ist jedoch der wahre Geheimtipp. Sie kostet 26 €, dauert 80 Minuten und ist durchaus anspruchsvoll. Über 170 steile Stufen steigen Sie in den Dachstuhl der Hofburg hinauf. Dort oben erwartet Sie ein barockes Kirchendach aus 2.000 ineinandergreifenden Holzbalken – kein einziger Eisenagel hält das Konstrukt zusammen. Die Tour endet mit einem Panoramablick über die Innenstadt vom Dach aus. Diese Perspektive bleibt den meisten Touristen verborgen. Tragen Sie festes Schuhwerk und bringen Sie eine gute Grundkondition mit. Kinder unter 12 Jahren dürfen aus Sicherheitsgründen an dieser speziellen Tour nicht teilnehmen.
Wichtige Planung, Etikette und die Sommerpause

Gute Planung ist hier essenziell, da das Wohl der Tiere an erster Stelle steht. Kommen Sie nicht im Juli: Von Ende Juni bis Mitte August machen die Hengste Urlaub auf dem Land in der Steiermark. In dieser Zeit finden weder Morgenarbeit noch Vorführungen statt, auch wenn man die leeren Ställe besichtigen kann. Die Regelung für Kinder ist strikt. Kinder unter 3 Jahren haben keinen Zutritt, da schreiende Kleinkinder die sensiblen Hengste erschrecken könnten. Kinder von 3 bis 6 Jahren dürfen kostenlos als „Schoßkinder“ mit, während 6- bis 12-Jährige einen Rabatt erhalten. Bringen Sie keine großen Taschen oder Koffer mit – es gibt keine Garderobe und der Zutritt wird Ihnen verweigert. Und lassen Sie das Handy in der Tasche: Fotos und Videos sind verboten. Ein Blitzlicht könnte ein Pferd mitten im Sprung erschrecken, was lebensgefährlich wäre. Wenn Sie kein Geld ausgeben möchten, positionieren Sie sich an der Reitschulgasse 2. Warten Sie vor oder nach dem Training am gewölbten Eingang: Dort können Sie kostenlos beobachten, wie die Pfleger die weißen Hengste über die Straße führen.
Praktische Tipps
- 1Buchen Sie Ihren Sitzplatz 2-3 Monate im Voraus. Die Wochenend-Galas auf der offiziellen SRS-Website sind schnell ausverkauft.
- 2Nutzen Sie den Vienna Pass für freien Stehplatz-Eintritt zur Morgenarbeit. Seien Sie 30 Minuten früher da für einen Platz an der Reling.
- 3Lassen Sie Kleinkinder im Hotel. Kinder unter 3 Jahren sind bei allen Veranstaltungen und Touren strengstens untersagt.
- 4Verzichten Sie auf schweres Gepäck. Es ist ein historisches Denkmal ohne Aufzüge und ohne Aufbewahrungsmöglichkeiten für große Taschen.
- 5Handy in die Tasche. Fotografieren ist verboten, damit die Pferde nicht scheuen.
- 6Nutzen Sie den Reitschulgasse-Trick. Stehen Sie morgens an der Reitschulgasse 2, um die Hengste kostenlos beim Überqueren der Straße zu sehen.
- 7Prüfen Sie den Kalender auf die Sommerpause. Von Ende Juni bis Mitte August sind die Pferde im Urlaub.
- 8Tragen Sie bequeme Schuhe für Stehplatztickets. Sie werden über 70 Minuten lang stehen.
Top-Sehenswürdigkeiten

Albertina
Auf einem erhaltenen Abschnitt der alten Wiener Stadtmauer thront die Albertina – ein Ort, an dem kaiserliche Geschichte und hochkarätige moderne Kunst aufeinan

Ankeruhr
Suchen Sie auf Wiens ältestem Platz nicht einfach nur nach einer Möglichkeit, die Zeit abzulesen. Schauen Sie nach oben. Die Ankeruhr am Hoher Markt überspannt

Österreichische Nationalbibliothek
Ein Besuch in der Austrian National Library in Vienna fühlt sich weniger wie ein Museumsbesuch an, sondern eher wie der Eintritt in einen barocken Fiebertraum.
Häufig gestellte Fragen
Darf ich während der Vorführung in der Spanischen Hofreitschule fotografieren?
Sind Kinder in der Spanischen Hofreitschule erlaubt?
Was ist der Unterschied zwischen der Morgenarbeit und einer Vorführung?
Ist die Spanische Hofreitschule im Vienna Pass enthalten?
Sind Lipizzaner-Pferde immer weiß?
Gibt es eine Kleiderordnung für die Spanische Hofreitschule?
Ist die Spanische Hofreitschule im Sommer geöffnet?
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