
Wienerwald Guide
Tauschen Sie das Pflaster der Ringstraße gegen eine 1.350 Quadratkilometer große Auszeit. Der Wienerwald ist nicht nur ein Park – er ist die grüne Lunge der Stadt. Dieses UNESCO-Biosphärenpark-Reservat markiert die Stelle, an der die Alpen schließlich in das Donaubecken auslaufen. Sie brauchen kein Auto, um ihn zu erreichen. Eine 30-minütige Fahrt mit der Straßenbahn oder dem Bus bringt Sie direkt unter hoch aufragende Buchen und zu terrassierten Weinbergen. Sie können Wildschweine in ehemaligen kaiserlichen Jagdrevieren beobachten oder über Europas größten unterirdischen See faren. Ob Sie die 14 markierten Stadtwanderwege erkunden, 1.000 Kilometer Mountainbike-Strecken bezwingen oder einfach nur ein Achterl Wein beim urigen Heurigen genießen wollen – hier lebt das wahre Wien. Nutzen Sie diesen Guide, um die besten Gipfel, Ruinen und Weinschänken ohne Touristen-Kitsch zu finden.
Der UNESCO-Biosphärenpark: Ein Überblick

Der Wienerwald erstreckt sich über 1.056 Quadratkilometer, 51 Gemeinden und sieben Wiener Gemeindebezirke und ist damit das einzige Biosphärenreservat Europas direkt vor der Haustür einer Millionenmetropole. Die UNESCO schützt ihn aus gutem Grund: Er ist eine sensible Mischung aus urbanem Freizeitwert und ernsthafter Biodiversität. Vor langer Zeit rodeten Holzknechte diese Hügel, um Wiens Öfen und Salinen zu befeuern. Dadurch entstanden riesige Buchenbestände, wo früher Eichen wuchsen. Heute haben Naturschützer dem Wald geholfen, sich zu erholen. Sie finden hier ein Mosaik aus Wiesen, Bächen und dichten Baumkronen, die Tausende von Arten beherbergen. Die Geschichte hier ist allgegenwärtig. Diese Wälder waren der private Spielplatz der Habsburger; Kaiser Ferdinand I. ließ 1561 Teile davon einzäunen. Später inspirierten die Landschaften Strauss-Walzer und Beethoven-Sinfonien. Der Komponist wanderte bekanntlich über diese Pfade, um seinen Kopf frei zu bekommen. Es fühlt sich immer noch wild an: Man kann in einem ruhigen Hain stehen und völlig vergessen, dass eine Weltstadt nur acht Kilometer entfernt ist. Halten Sie in den Kernzonen Ausschau nach Rothirschen und Spechten, oder beobachten Sie die Winzer bei der Arbeit in den Reben an den sonnigen Osthängen. Es ist mehr als nur eine Wanderung – es ist ein Eintauchen in das Ökosystem, das Wiens Identität geprägt hat.
Stadtwanderwege & Routen

Wien schlägt jede andere europäische Hauptstadt mit seinen 14 Stadtwanderwegen. Das sind 240 Kilometer markierte Wege, die die Stadt umringen. Die meisten sind zwischen 10 und 20 Kilometer lang und leicht zu erreichen. Jeder Ausgangspunkt ist an das Straßenbahn- oder U-Bahn-Netz angebunden; ein Mietwagen ist nicht erforderlich. Wenn Sie ehrgeizig sind, nutzen Sie die Wander-App der Stadt: Sie können an Stempelstellen digitale Stempel sammeln, um sich eine physische Wandernadel beim Forstamt zu verdienen. Beginnen Sie mit dem Stadtwanderweg 1 – dem Klassiker. Nehmen Sie die Straßenbahn D bis zur Endstation Nussdorf. Sie wandern durch Weinberge, die sich im Oktober gold färben, bevor Sie den Wald nahe dem Kahlenberg-Gipfel erreichen. Machen Sie Pause bei einem Heurigen am Wegesrand für ein Glas Gemischter Satz und den Blick auf die Donau. Für eine größere Herausforderung bietet sich der Weg 2 zum Hermannskogel an, dem höchsten Punkt der Stadt. Halten Sie oben Ausschau nach der Habsburgwarte, einem Steinturm aus dem 19. Jahrhundert. Wenn Sie den Massen entgehen wollen, probieren Sie den Weg 6 durch den südlichen Maurer Wald und über den Zugberg – er ist flacher und eher ein Geheimtipp der Einheimischen. Bei diesen Wegen geht es nicht ums Überleben, sondern um Genuss. An jedem guten Aussichtspunkt finden Sie Bänke und Gasthäuser, die heißes Schnitzel servieren. Das ist die Wiener Art, die Natur zu erleben.
Kahlenberg und Leopoldsberg: Gipfel mit Aussicht

Der Kahlenberg ist 484 Meter hoch und dient als Wiens Aussichtsterrasse. Nehmen Sie die U4 bis Heiligenstadt und dann den Bus 38A über die kopfsteingepflasterte Höhenstraße. Es ist eine 30-minütige Fahrt, die Sie nicht verpassen sollten. Der Gipfel bietet einen 180-Grad-Blick über die Donau, während Ihnen die Stadt zu Füßen liegt. An klaren Tagen kann man das Schneeberg-Massiv sehen, von dem Wien sein Hochquellwasser bezieht. Dieser Ort hat Geschichte geschrieben: 1683 stand hier der polnische König Jan III. Sobieski, bevor er den Angriff zur Beendigung der Zweiten Türkenbelagerung startete. Besuchen Sie die barocke St.-Josefs-Kirche mit ihrer schwarzen Madonna und erklimmen Sie die 22 Meter hohe Stefaniewarte für eine noch bessere Aussicht. Fahren Sie nicht einfach mit dem Bus zurück, sondern wandern Sie ostwärts durch den Wald zum Leopoldsberg. Er liegt auf 425 Metern und bietet einen direkteren Blick auf die Donaukurve Richtung Stadtzentrum. Dank seiner Kirche und Burgruinen wirkt er älter und ruhiger als der Kahlenberg – der perfekte Ort für einen Kaffee am Berg, bevor es wieder nach Hause geht.
Lainzer Tiergarten: Wildtiere und kaiserliche Rückzugsorte

Im Südwesten Wiens liegt der Lainzer Tiergarten, ein 24,5 Quadratkilometer großes Naturschutzgebiet, in dem man sich wie in einem anderen Jahrhundert fühlt. Kaiser Ferdinand I. gründete ihn 1561 als privates Jagdrevier; Kaiserin Maria Theresia ließ ihn später mit einer 22 Kilometer langen Steinmauer umschließen. Seit 1919 ist er für die Öffentlichkeit zugänglich. Heute besteht er zu 80 Prozent aus dichtem Eichen- und Buchenwald. Jährlich kommen über 500.000 Besucher, doch es wirkt nie überlaufen. Die Hauptattraktion sind die Tiere: Mit hoher Wahrscheinlichkeit sehen Sie einige der 800 Wildschweine oder hunderte Rothirsche, die hier frei herumlaufen. Dies ist kein Zoo – die Tiere leben hier in ihrer natürlichen Umgebung. Halten Sie Abstand, besonders wenn im Frühjahr die Frischlinge auftauchen. Inmitten des Parks steht die Hermesvilla. Kaiser Franz Joseph ließ dieses „Schloss der Träume“ 1882 für Kaiserin Elisabeth (Sisi) erbauen, in der Hoffnung, die Stille des Waldes würde sie von ihren vielen Reisen abhalten. Es funktionierte zwar nicht, aber das Palais ist dennoch prachtvoll. Treten Sie durch das Lainzer Tor ein, um Ausstellungen zum kaiserlichen Leben zu sehen, und wandern Sie dann zur Hubertuswarte für einen letzten Blick auf die Skyline der Stadt.
Unterirdische Wunder: Die Seegrotte Hinterbrühl

Am südlichen Rand des Waldes finden Sie die Seegrotte Hinterbrühl. Dies ist Europas größter unterirdischer See, der sich über 6.200 Quadratmeter in einem ehemaligen Gipsbergwerk erstreckt. Eine Sprengung im Jahr 1912 traf eine Wasserader und flutete die unteren Ebenen mit Millionen Litern Wasser. Dieser Unfall schuf eine gewaltige Wasserhöhle, die in den 1930er Jahren für Touren geöffnet wurde. Die Stätte hat auch eine dunkle Seite: Während des Zweiten Weltkriegs pumpten die Nazis das Wasser ab und zwangen Zwangsarbeiter eines nahegelegenen Lagers, in diesen bombensicheren Tunneln Heinkel He 162 Düsenjäger zu bauen. In den oberen Stollen sind noch Flugzeugteile und altes Bergbaugerät zu sehen. Das Highlight ist die Bootsfahrt: Sie gleiten über türkisblaues Wasser, 60 Meter unter der Erdoberfläche. Die Kalksteinwände sind beleuchtet, was die Kulisse fast filmreif macht. Bringen Sie eine Jacke mit – selbst wenn in der Stadt 30 °C herrschen, bleibt es in der Höhle konstant zwischen 9 °C und 12 °C. Tickets kosten 18 € für Erwachsene. Die Busfahrt aus dem Zentrum lohnt sich definitiv.
Heurigenkultur: Wein und Kulinarik im Wald

Ihr Ausflug ist erst komplett, wenn Sie einen Heurigen besuchen. Diese Weinschänken liegen am Fuße des Wienerwalds in Orten wie Nussdorf, Grinzing und Neustift am Walde. Ein Heuriger serviert den Wein des aktuellen Jahrgangs aus eigenem Anbau – eine Tradition, die Kaiser Joseph II. im Jahr 1784 begründete. Es ist der beste Abschluss für einen Wandertag. Achten Sie auf den „Buschen“ (einen Strauß Kiefernzweige), der über der Tür hängt. Wenn das Schild „Ausg’steckt“ zu sehen ist, ist der Betrieb geöffnet. Setzen Sie sich an einen langen Holztisch im Garten und bestellen Sie einen Wiener Gemischten Satz – ein frischer Weißwein, bei dem verschiedene Rebsorten gemeinsam gelesen werden. Das Essen ist bodenständig und oft in Selbstbedienung: Gehen Sie zum Buffet und wählen Sie aus, was gut aussieht. Probieren Sie Kümmelbraten, Liptauer und Erdäpfelsalat. Erwarten Sie keine schicke Speisekarte, sondern Schrammelmusik auf der Ziehharmonika und ein fröhliches Publikum. Authentischer kann man Wien nicht erleben.
Praktische Tipps
- 1Holen Sie sich eine Vienna City Card oder eine 7-Tage-Netzkarte für 17,10 €, um alle Busse und Bahnen zu den Wanderwegen zu nutzen.
- 2Laden Sie die mobile Wanderkarte der Stadt für Offline-GPS-Routing herunter und sammeln Sie physische Stempel für die Wandernadel.
- 3Betreten Sie den Lainzer Tiergarten über das Lainzer Tor. Der Bus 55A ab U4 Hietzing ist der schnellste Weg zur Hermesvilla.
- 4Die Seegrotte Hinterbrühl ist wie ein Kühlschrank (9 °C bis 12 °C). Bringen Sie eine Jacke mit oder leihen Sie eine Decke für 0,50 €.
- 5Kehren Sie nur ein, wenn Sie das „Ausg’steckt“-Schild und einen Föhrenbuschen über der Tür sehen – das bedeutet, es wird offiziell ausgeschenkt.
- 6Meiden Sie den Bus 38A an sonnigen Wochenenden; er ist oft überfüllt. Wandern Sie lieber den Stadtwanderweg 1 hoch.
- 7Meiden Sie die überteuerten Touristen-Cafés auf den Gipfeln. Packen Sie ein Picknick ein oder trinken Sie einen schnellen Espresso auf der Terrasse.
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Häufig gestellte Fragen
Wie komme ich vom Stadtzentrum in den Wienerwald?
Ist der Eintritt in den Lainzer Tiergarten kostenlos?
Wie lange dauert die Wanderung auf den Kahlenberg?
Was ist die Seegrotte Hinterbrühl?
Kann ich im Wienerwald Mountainbike fahren?
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