
Viennale (Vienna International Film Festival)
Filmfestival
Über diese Veranstaltung
Wenn der kühle Oktoberwind über die Ringstraße weht, verwandelt sich Vienna von einem Museum in ein riesiges Kino. Die Viennale ist Österreichs wichtigstes Filmereignis, verzichtet aber auf das Ego von Cannes oder den hektischen Branchenrummel von Berlin. Sie ist für Menschen gemacht, die Filme wirklich lieben. Zwei Wochen lang füllt sich die Stadt mit einer spannenden Mischung aus Indie-Spielfilmen, direkten politischen Dokumentationen und experimentellen Kurzfilmen. Diese Filme findet man in keinem gewöhnlichen Multiplex. Das Festival meidet sterile Kino-Ketten und setzt stattdessen auf prachtvolle Ein-Saal-Ikonen wie das Gartenbaukino. Dieses Wahrzeichen aus den 1960er-Jahren ist das Herzstück des Festivals, wo man noch echtes 70mm-Material auf einer gigantischen Leinwand erleben kann. Jeder internationale Film läuft in der Originalfassung mit Untertiteln. Es ist intelligent, gemeinschaftlich und unprätentiös. Man besucht abends eine Premiere und diskutiert anschließend bis 2 Uhr morgens in einer nahegelegenen Bar leidenschaftlich über die Entscheidungen des Regisseurs. Es ist ein tiefes Eintauchen in das weltweite Storytelling.
Geschichte
Eine Handvoll Filmjournalisten rief das Ganze 1960 ins Leben. Damals war es ein improvisiertes, nicht subventioniertes DIY-Projekt namens „Internationales Festival der interessantesten Filme des Jahres 1959“. Sie hatten nur 18 Filme und absolut kein Geld. 1961 wäre das Festival aufgrund fehlender Mittel fast gestorben, doch ein Jahr später sprang die Stadt Vienna ein, um die Rechnungen zu begleichen. Seit 1978 hat es seinen festen Platz im Oktober für 14 Tage gefunden. Heute ist es ein Gigant, der 300 Filme zeigt und den angesehenen Wiener Filmpreis verleiht. Die Viennale hat das Kino von einem Wochenendhobby in eine ernstzunehmende österreichische Kunstform verwandelt.
Das Programm

Das Programm ist eine kuratierte Absage an die Hollywood-Kassenschlager. Erwarten Sie 300 Filme, die von ungeschönten Dokumentationen bis hin zu avantgardistischen Experimenten reichen. Es ist der beste Ort in Europa, um Autorenfilme zu sehen, die nie einen breiten Kinostart erhalten. Dabei geht es nicht nur um Neues: In Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Filmmuseum zeigt das Festival gewaltige Retrospektiven. Ein Jahr liegt der Fokus auf der Comedy von Elaine May, im nächsten auf den afrikanischen Wurzeln von Med Hondo. Das sind keine bloßen Vorführungen, sondern Lektionen in Filmgeschichte. Bleiben Sie nach dem Abspann sitzen: Die meisten Vorstellungen enden mit Live-Q&As oder hitzigen Podiumsdiskussionen. Hier erleben Sie Regisseure und Schauspieler, die ihre Arbeit in Echtzeit verteidigen. Es ist ein Dialog, nicht nur ein Konsum.
Zentrale Spielstätten

Die Kinos sind die halbe Miete. Hier gibt es keine klebrigen Multiplex-Böden. Das Gartenbaukino ist der unangefochtene König. 1919 erbaut und 1960 im coolen Mid-Century-Stil renoviert, bietet es über 700 Plätze. Eine 70mm-Kopie hier zu sehen, ist ein visuelles Erlebnis. Allein der rot-goldene Vorhang ist den Eintrittspreis wert. Abseits der Ringstraße wartet das Metro Kinokulturhaus. Sein holzgetäfelter Saal ist eng und intim – perfekt für Regiegespräche. Das Stadtkino und die Urania runden den Parcours ab. Alle liegen nah beieinander, sodass man bequem von einer Vorstellung zur nächsten eilen kann. Diese Old-School-Säle zwingen zur Konzentration. Keine Handys, keine Ablenkung, nur ein Raum voller Menschen, die das gleiche Licht betrachten. Genau so sollten Filme gesehen werden.
Tickets & Planung

Viennale-Tickets zu ergattern, ist ein Sport für sich. Das Programm erscheint Anfang Oktober, und man hat etwa eine Woche Zeit zum Planen, bevor der Vorverkauf um den 11. Oktober startet. Beliebte Premieren sind in Stunden vergriffen. Gehen Sie online oder sichern Sie sich frühzeitig Plätze im Vorverkaufsschalter im Gartenbaukino. Ein Standardticket kostet €10.50 – ein Schnäppchen für ein großes Festival. Wer unter 27 ist, profitiert noch mehr: Das Programm „Vermehrt Schönes!“ senkt die Preise für alle Vorstellungen vor 17:30 Uhr auf €7.50. Keine Panik bei ausverkauften Filmen: Erscheinen Sie 30 Minuten vor Beginn am Kino und holen Sie sich eine Wartenummer. Es springen immer Leute ab, und nicht abgeholte Plätze gehen an die Warteschlange. Meistens fachsimpelt man beim Warten ohnehin schon mit seinem Nachbarn.
Anreise
Öffentlicher Nahverkehr
Nehmen Sie die U-Bahn-Linie U3 bis zur Station Stubentor oder die U4 bis zur Station Stadtpark. Alternativ nutzen Sie die Straßenbahnlinie 2 bis zur Haltestelle Weihburggasse. Das Gartenbaukino ist von all diesen Haltestellen nur 3 bis 5 Gehminuten entfernt.
Mit dem Auto
Das Parken im 1. Bezirk von Vienna ist stark eingeschränkt und erfordert einen Kurzparkschein (Kurzparkzone). Es wird dringend empfohlen, Park & Ride-Anlagen am Stadtrand (wie U4 Hütteldorf) zu nutzen oder in der WIPARK Parkring Garage zu parken, falls eine Anreise mit dem Auto unumgänglich ist.
Taxi / Fahrdienst
Taxis können Sie direkt am Parkring vor dem Gartenbaukino absetzen. Eine typische Fahrt vom Vienna Hauptbahnhof kostet etwa €12-€15. Fahrdienste wie Bolt und Uber funktionieren in der Stadt zuverlässig.
Tipps
- •Öffentliche Verkehrsmittel sind mit Abstand der effizienteste Weg, um zwischen den verschiedenen Festivalkinos zu pendeln.
- •Kaufen Sie eine 24-, 48- oder 72-Stunden Vienna City Card für unbegrenzte Fahrten mit den Öffis während des Festivals.
Veranstaltungsort
Veranstaltungsort
Gartenbaukino
Adresse
Parkring 12, 1010 Wien
Tipps & Wissenswertes
Prüfen Sie die Untertitel. Filme laufen in der Originalsprache. Stellen Sie vor der Buchung sicher, dass die Untertitel in einer Sprache sind, die Sie auch verstehen.
Nutzen Sie die Warteliste. Ausverkauft bedeutet nicht immer voll. Erscheinen Sie 30 Minuten früher für eine Wartenummer – meistens klappt es noch mit einem Platz.
Suchen Sie die Tasche. Jedes Jahr gibt es eine spezielle, limitierte Kuriertasche. Man kann sie nicht kaufen, also halten Sie Ausschau nach Festival-Gewinnspielen.
Bleiben Sie für das Q&A. Stürmen Sie nicht direkt zum Ausgang. Die besten Einblicke gibt es während der 20-minütigen Gespräche mit den Regisseuren nach dem Film.
Tauchen Sie in die Geschichte ein. Die Retrospektiven im Österreichischen Filmmuseum sind Weltklasse. Dort sehen Sie, wie alte Klassiker die neuen Indie-Hits beeinflusst haben.








